Wintervorbereitung der Spielflächen beim Golfclub Rheinblick

Die Witterungsbedingungen werden auch in Deutschland immer extremer. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Golfer im Hinblick auf die ganzjährig guten Platzqualitäten. Rasenwelt sprach mit Harald Kübler, dem verantwortlichen Head Greenkeeper der Anlage.

Rasenwelt: Hallo Harald, wo siehst Du im Hinblick auf die Wintervorbereitung der Spielflächen die größte Herausforderung?

Harald Kübler: Das Wetter wird immer extremer und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mehr und mehr eingeschränkt. Vermutlich dürfen wir auf dem Golfplatz in absehbarer Zeit überhaupt keine Chemie mehr verwenden. Somit wird die Anwendung und Umsetzung der sogenannten „Guten fachlichen Praxis“ während der ganzen Saison immer wichtiger für ein gutes Überwintern der Flächen! An einem ganzjährig vorausschauenden und nachhaltigen Greenkeeping kommt zukünftig aus meiner Sicht kein Club mehr vorbei. Die Vorbereitung auf den Winter findet übertrieben gesagt ei uns eigentlich ganzjährig statt.

Rasenwelt: Praxiserfahrungen zeigen, dass gerade übermäßiger Rasenfilz eine optimale Brutstätte für typische Winter Rasenkrankheiten ist. Welche Maßnahmen triffst Du damit sich schon während der Saison keine übermäßig dicke Filzschicht bildet.

Harald Kübler: Ein gutes Filzmanagement bedeutet für mich einen Filzabbau auf den Spielflächen am besten ohne ein übermäßiges Vertikutieren. Wir behandeln aus diesem Grund die Grüns alle 4 Wochen mit Komposttee und lassen sozusagen die Natur für uns arbeiten. Zusätzlich pflegen wir natürlich auch mechanisch. Einmal pro Woche spiken wir die Grüns und dreimal jährlich schneiden wir mit unserer Vredo Compact 7 mm tiefe Rillen in die Grasnarbe, um genügend Filz abzubauen.

Rasenwelt: Die Natur für sich arbeiten lassen, das ist sicherlich ein nachhaltiger Ansatz. Was genau tust Du dafür, dass sich die „natürlichen Helfer“ in Deiner Rasentragschicht wohlfühlen und sich ein gesundes Bodenleben entwickelt?

Harald Kübler: Für die nützlichen Mikroorganismen, also Bodenbakterien und Bodenpilze, die u.a. organische Substanz abbauen, Nährstoffe pflanzenverfügbar machen und sich auch positiv auf das Bodengefüge auswirken, ist z.B. ausreichend Bodenluft entscheidend. Nicht zuletzt aus diesem Grund spiken wir die Grüns, wie bereits erwähnt, einmal wöchentlich. Auch hier ist die Vorgabe, die Puttfläche so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Zusätzlich fahren wir alle 14 Tage mit dem PlanetAir (bestückt mit halber Messeranzahl) und halten die Greens dadurch so trocken wie möglich.

Rasenwelt: Stichwort „trocken“, welchen Stellenwert hat bei Dir der Wassergehalt in der RTS?

Harald Kübler: Da die Bodenfeuchte für Gräser und Bodenleben gleichermaßen wichtig ist, versuche ich stets den Wassergehalt im Boden im Optimum zu halten. Hierzu ist bei mir regelmäßig ein Feuchtigkeitsmessgerät im Einsatz. Zusätzlich haben wir in eine neue Einzelsteuerung für die Regner investiert. Aber trotzdem muss man an bestimmten Stellen auf der Anlage bei extremer Witterung zur Handbrause greifen, um Trockenstress zu vermeiden. All diese Komponenten und Maßnahmen helfen uns sehr dabei, auch während der Sommermonate möglichst Stress von den Gräsern zu nehmen, um so schlussendlich auch gut in und über den Winter zu kommen.

Rasenwelt: Gibt es zusätzlich spezielle Maßnahmen die ihr erst gezielt in der zweiten Jahreshälfte umsetzt, um die Gräser gezielt auf den Winterstress vorzubereiten?

Harald Kübler: Wir streuen zusätzlich von Ende Juli bis Mitte September einen Chitinase haltigen Kompost und setzen ab Mitte August ein flüssiges Produkt mit Eisen, Chitin und Pflanzenölen gegen Schneeschimmel ein. Bei richtiger Anwendung verstärkt sich die Wirkung im Hinblick auf die Vermeidung von Krankheiten von Jahr zu Jahr! Bei starkem Befallsdruck verwenden wir außerdem Eisensulfat, Phosphit oder elementaren Schwefel mit Kupfer als Dünger.

Eine angepasste Schnitthöhe ist gerade zum Herbst sehr wichtig. Wir schneiden in der Saison nicht tiefer als 3,6 mm (Ziel: 4 mm+). Die Schnitthöhe wird dann ab Mitte September abhängig von der Sonnenscheindauer (kürzere Tage, Nebel oder Wolken) schrittweise auf 5 mm angehoben. Auch die Schnittintervalle werden je nach Wachstum immer länger. Generell versuchen wir die Gräser nur zu schneiden, wenn es trocken ist. In diesem Zusammenhang setzten wir die Bügelmaschine konsequenter Weise auch nicht bei hoher Bodenfeuchte ein.

Ab Mitte September wird außerdem kein Sand mehr gestreut, um so Stress für die Gräser zu vermeiden. Wenn möglich spiken und schlitzen wir jedoch den ganzen Winter hindurch. Wenn dann auf Wintergrüns gespielt wird, führen wir ein Tiefenbelüften mit Bayonet Tines durch.

Im Spielbetrieb während der Saison ist ein Tiefenbelüften leider noch nicht möglich. Hier schauen wir gespannt auf die Erfahrungen unserer Kollegen am Golfclub München Eichenried mit dem Air2G2-Belüftungsgerät. Schließlich könnten wir das Gerät ganzjährig einsetzen, ohne die Grünsoberfläche zu beschädigen. Damit wäre Luft niemals mehr der limitierende Faktor im Hinblick auf die gesunde Entwicklung der Gräser und des nützlichen Bodenlebens!

Schließlich ist natürlich eine an die Jahreszeit angepasste ausgeglichene Nährstoffversorgung für das gesunde Wachstum eine wichtige Voraussetzung. Abhängig von der bodenchemischen Untersuchung und dem Wachstum haben wir z.B. 2015 12 Gramm rein N gegeben, 2016 waren es 8 Gramm rein N/m². Insgesamt kommen wir bei Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen ganz gut über das Jahr und so auch gut durch den Winter. Zusammenfassend bleibt zu sagen: „Vorbeugen ist besser als heilen, und je besser unser Boden wird, desto gesünder bleibt der Rasen.

Rasenwelt: Vielen Dank lieber Harald für die Einblicke n Deine Wintervorbereitung.

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