Wieviel Natur findet man zukünftig auf dem Golfplatz?

Golf hat als Sportart im Freien generell eine enge Beziehung zur Natur, da die Spielflächen unmittelbar in die Landschaft eingebunden sind. Gerade lokale Gegebenheiten wie z.B. Wiesen, Bäume, Waldsäume, Hecken und Wasserflächen geben jeder Anlage ihren ganz eigenen Charakter und sorgen dafür, dass kein Fairway oder kein Grün einem anderen gleicht.

Nun sind Natur und Landschaft allerdings nicht beliebig belastbar und regenerierbar. Eine große Herausforderung besteht also aufgrund dieser Tatsache darin, den Schutz der Natur und die Nutzung durch den Golfsport so miteinander zu verbinden, dass sowohl die Vielfalt der Arten und Lebensräume als auch eine natur- und landschaftsverträgliche Nutzung erhalten bleiben.

Der Neubau eines Golfplatzes stellt immer einen maßgeblichen Eingriff in die Landschaft dar und ist mit einem hohen Flächenverbrauch verbunden. Bei der Unterhaltung von Golfanlagen kommen zudem u.a. Pflanzenschutzmittel und Dünger zum Einsatz. Dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten geführt und die Fronten der jeweiligen Interessenvertreter waren teilweise sehr verhärtet.

Vor dem Schutz der Natur hatten in der Vergangenheit viele Club-Verantwortlichen dann auch erst einmal die Themen im Kopf, die derzeit nahezu alle deutschen Golfanlagen bewegen: In einem insgesamt nicht leichten wirtschaftlichen Umfeld, bei gleichzeitig ansteigenden Schäden durch immer extremere Witterungsbedingungen, stehen auf den meisten Golfanlagen erst einmal überall Fragen wie Mitgliedergewinnung, Greenfee-Spieler oder Kostenmanagement im Greenkeeping im Vordergrund.

„Natur ist da eher ein weicher Faktor, der für viele Clubmanager oder Präsidenten schwer greifbar ist“, so Dr. Gunther Hardt, Vorsitzender des DGV-Ausschuss Umwelt & Platzpflege.

Innerhalb der letzten 20 Jahre haben sich Naturschutz und Golf dennoch sehr erfreulich einander angenähert und viel erreicht. So wurden Projekte wie das Handbuch „Biotopmanagement auf Golfanlagen“ und das Umweltprogramm Golf&Natur gemeinsam mit dem DGV angestoßen und umgesetzt. Durch die intensive Zusammenarbeit von Naturschutzvertretern und verantwortungsbewussten Golfplatzbetreibern und durch vielfältige Aktivitäten vor Ort ist es gelungen, den Golfsport für den Schutz von Natur und Landschafft zu gewinnen.

So bieten z.B. die Flächen zwischen den Spielbahnen, die durchschnittlich mehr als 50 Prozent der Gesamtfläche eines Golfplatzes ausmachen, große Chancen und Potenziale für Naturschutzmaßnahmen. Durch die Anlage von naturnahen Landschaftselementen (zum Beispiel Hecken, Teichen, Streuobstwiesen, artenreichen Wiesen) und ein gezieltes Biotopmanagement kann die Artenvielfalt deutlich erhöht werden. Dies belegen unter anderem die am Umweltprogramm Golf&Natur teilnehmenden Golfanlagen.

Unabhängig davon haben weitere Studien gezeigt, dass Golfplätze auf jeden Fall natur- und umweltspezifische Vorteile mit sich bringen. So weisen Golfplätze eine hohe Biodiversität auf und können mitunter sogar höhere Werte darin erreichen als ausgewiesene Naturschutzgebiete.

Golfanlagen verfügen im Gegensatz zu angrenzendem Ackerland auch über eine höhere Diversität an Bäumen, Vögeln und Käfern. Anhand der Artenvielfalt von Vögeln kann man Golfanlagen sogar mit biologischen Reservaten und Parkanlagen vergleichen. Und nicht zuletzt üben Golfanlagen, die einen gewissen Anteil an Waldfläche besitzen, insbesondere in städtisch und landwirtschaftlich genutzten Gebieten positive Effekte auf die Tierwelt aus.

Das Thema „Natur“ sowie das Arbeiten im Einklang mit der Natur ist bereits seit einigen Jahren auf Deutschlands Golfplätzen zu einem der Kernthemen der Golfszene geworden.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Forderung nach einem „Mehr“ an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz eine politische und gesetzliche Vorgabe. Man denke hier nur an die Folgen für das Greenkeeping aufgrund der einschneidenden Veränderungen der Gesetzgebung im Pflanzenschutz.

Weiterhin zeigen aber auch Erhebungen und Umfragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dass die Faktoren Gesundheit und Natur für viele Menschen ausschlaggebend sind, wenn es um die Aufnahme einer neuen Sportart geht. Mit anderen Worten, gepflegte Spielflächen in intakter Natur fördern die Freude am Spiel und sind heutzutage entscheidende Wettbewerbsfaktoren im Golfmarkt geworden.

Eine Studie zum Qualitätsmanagement Golf&Natur des Institutes für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth hatte zum Ziel, aus einer ökonomisch-ökologischen Perspektive einen Einblick in das seit Jahren etablierte Zertifikat des Deutschen Golf Verbandes zu geben.

Hierbei war u.a. von besonderem Interesse herauszufinden, inwieweit ökologische im Vergleich zu ökonomisch-geprägten Zielen eine Rolle für deutsche Golfanlagen spielen. Darüber hinaus wurde untersucht, welchen Anteil aus Sicht der Golfanlagen das Qualitätsmanagement Golf&Natur bei der Erreichung ausgewählter Clubziele hat. Von besonderer Relevanz war hierbei der Vergleich zwischen zertifizierten und nicht-zertifizierten Golfanlagen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Thema Umwelt- und Naturschutz mittlerweile generell bei fast allen Golfanlagen von Bedeutung ist. Zwar spielen ökonomische Ziele weiterhin die wichtigste Rolle, was angesichts eines quasi stagnierenden deutschen und europäischen Golfmarkts nicht verwunderlich ist, allerdings werden ökologische Faktoren etwas höher gewichtet als sportliche, wie z.B. sportliche Erfolge in der Deutschen Golf Liga. Dieses Ergebnis spiegelt in gewisser Weise auch die Erwartungen jenes Teils aktiver Golfspieler wider, denen das Zertifikat Golf&Natur bei der Auswahl einer Greenfee-Runde als Entscheidungskriterium wichtig ist.

Insgesamt stellt die Studie fest, dass das Qualitätsmanagement Golf&Natur insbesondere aus Sicht der zertifizierten Golfanlagen einen Mehrwert im ökologischen und – mit Abstrichen – ökonomischen Bereich schaffen kann.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass ein umfassendes Umwelt- und Pflegemanagement auf Golfanlagen als betriebswirtschaftliches Instrument zur Optimierung des Spielbetriebs immer wichtiger wird und damit mittlerweile zum Standardprogramm in einem modernen und wirtschaftlich geführten Golfclub zählt.

Und das sind doch im Hinblick auf den nachhaltigen Schutz der Natur wirklich gute Aussichten!

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