Sportzentrum Poing – Interview mit Guido Schmiedberg

Rasenwelt: Hallo Guido. Du bist nun seit 2 Jahren für die Pflege der gesamten Anlage und Grünflächen im Sportzentrum Poing bei München zuständig. Gib uns doch bitte mal einen Überblick über das Areal.

Guido Schmiedeberg: Die Anlage gehört der Gemeinde Poing und wurde 1990 eröffnet. Sie dient als Sport- und Freizeitzentrum für Schulen, Vereine und die Poinger Bürger.Das Areal hat eine Gesamtfläche von ca. 10 Hektar. Darauf  befinden sich eine Dreifach-Turnhalle mit Fitness- und Kraftraum, vier Kegelbahnen sowie eine Wirtschaft. Auf der Freifläche gibt es diverse Fußballplätze, einen Umkleide-Pavillon mit Clubraum für die Sportler, einen Allwetterplatz, Basketballplätze sowie Anlagen für verschiedene Leichtathletik-Disziplinen. Außerdem haben wir fünf Sommer-Eisstockbahnen, eine Kampfbahn Typ C und ab 2017 zudem einen Outdoor-Fitness-Bereich.

Das gesamte Gelände ist von Bäumen, Hecken  und viel Begleitgrün umgeben. Für die Fußballer steht ein Hauptplatz nach DIN-Aufbau mit ca. 7.100 m², zwei Trainingsplätze nach DIN-Aufbau mit ca. 13.000 m², ein Kunstrasenplatz mit ca. 7.100 m² und ein DFB Mini-Spielfeld zur Verfügung. Außerdem kann sich jeder Nutzer der Anlage nach Lust und Belieben auf dem Bolzplatz austoben. Unsere Rasenplätze verfügen über eine integrierte automatische Beregnung mit jeweils zehn Halbkreis-Regnern und zwei Vollkreis-Regnern.

Aktuell trainieren 30 Fußballmannschaften auf der Anlage. Die Fußballabteilung des TSV Poing besteht aus einer Ersten und Zweiten Herrenmannschaft, einer Frauen- und Alt-Herren-Mannschaft, einer A-Jugend, jeweils drei B-,C-,D-Jugend, sechs E-Jugend, vier F-Jugend, einer G-Jugend und jeweils einer B-, C-, D-, E-Mädchen-Jugend. Einmal pro Woche kickt außerdem die AH-Freizeitmannschaft.

Des Weiteren nutzt die Sportgemeinschaft Poing den Hauptplatz für die Leichtathletik (Kindersport, Diskuswurf, Speerwerfen). Außerdem findet der Schulsport diverser Schulen, z.B. der Grund- und Mittelschule sowie der Realschule auf der gesamten Anlage statt. Auch alle Schulsportfeste, Bundesjugendspiele sowie die Fußballturniere des TSV Poing werden auf den Rasenplätzen ausgetragen. Durch die hohe Nutzungsintensität der Schulen und Vereine sind die Rasenplätze mit durchschnittlich 20-22 Wochenstunden hohen Belastungen ausgesetzt.

Rasenwelt: Das klingt nach viel Arbeit. Möchtest du uns einen Einblick in deine täglichen Aufgaben geben?

Guido Schmiedeberg: Gerne. Ich bin in Vollzeit bei der Gemeinde Poing als Platzwart/Hausmeister angestellt und verantworte

Sportzentrum Poing

Sportzentrum Poing

jegliche erforderlichen Maßnahmen der Grünflächenpflege, Gebäudeunterhaltung sowie alle Vorbereitungen für den Trainings- und Spielbetrieb. Neben der Rasenpflege (Mähen, Düngen, Striegeln, Beregnen) bin ich in erster Linie für die Wahrung der Verkehrssicherheit zuständig. Auch die Vergabe von Aufträgen an externe Dienstleister sowie die Überprüfung der ausgeführten Arbeiten gehört zu meinem Aufgabengebereich.

Die Gemeinde Poing hat für den Unterhalt der Freisportanlage im Jahr 2015 ca. 38.000 € (ohne Gebäudeunterhalt und Neuanschaffungen) ausgegeben. Mein Hausmeister-Kollege, der für die Dreifach-Turnhalle, Kegelbahn und Wirtschaft  zuständig ist, unterstützt mich in den Frühjahr- und Sommermonaten auf der Freisportanlage. Von November bis März sind wir zudem für den Winterdienst verantwortlich.

Ich verfüge über einen modernen Maschinenpark, der sowohl ein sehr angenehmes als auch effektives Arbeiten möglich macht. Folgende Maschinen stehen mir zur Verfügung: John Deere 3045 Kommunalschlepper mit Mittelmähwerk und Grasabsaugung, Iseki Kommunalschlepper, Striegel mit  3m Arbeitsbreite, Kugelmann Rasenkehrmaschine, Toro Spindelmäher, Pendelstreuer, diverse Anhänger, Polytan ACS-Gerät (Kunstrasenpflege) sowie ein Schleppnetz. Alle Maschinen und Anbaugeräte werden regelmäßig von der Bauhof-eigenen Werkstatt überprüft und sind dadurch stets einsatzbereit, was ich sehr zu schätzen weiß.

Rasenwelt: Der Winter ist schon in vollem Gange und dementsprechend werden die natürlichen Rasenflächen in Mitleidenschaft gezogen. Gibt es von Seiten der Gemeinde Poing ein spezielles Pflegekonzept?

Guido Schmiedeberg: Die Rasenplätze werden von Frühjahr bis Herbst durchschnittlich zwei Mal wöchentlich gemäht. Die Rasendüngung verteilt sich auf 4-6 kleinere Gaben pro Jahr. Ich bin kein Freund davon, nur zwei Mal im Jahr in größeren Mengen zu düngen, sondern arbeite stattdessen vorwiegend mit einem Langzeitdünger, um eine konstante Nährstoffversorgung über die gesamte Vegetationsperiode zu ermöglichen.

Da wir für Pflegemaßnahmen wie Vertikutieren, Besanden, Tiefenlockern, Aerifizieren und Säen keine eigenen Anbaugeräte haben, arbeiten wir sehr eng mit einem lokalen Dienstleister für Sportrasenpflege zusammen. Durch die unmittelbare Nähe können wir kurzfristig agieren, um auch bei anhaltend schlechten Wetterlagen gute Ergebnisse zu erzielen.

In den Jahren 2015 und 2016 wurde jeder Rasenplatz Anfang Mai vertikutiert, im Anschluss mit ca. 3l/m² besandet sowie durch den Verti-Drain mit Hohlspoons ca. 13 cm tiefengelockert. Anschließend wurde das ganze Material wieder eingeschleppt und an notwendigen Stellen nachgesät. Für ein sauberes Finish kam zum Schluss die Rasenkehrmaschine zum Einsatz. Die zweite Maßnahme fand in den Sommerferien statt. Es wurde vertikutiert, ca. 6 cm aerifiziert und abgeschleppt. Auch hier nutzte ich für den letzten Schliff wieder die Rasenkehrmaschine.

Wenn es das Wetter zulässt, aerifizieren wir die Plätze ein weiteres Mal im Spätherbst. Eines meiner Lieblingsgeräte für die Rasenpflege ist der Striegel. Mit sehr geringem Aufwand und hoher Flächenleistung kann man damit so einiges aus seinem Rasen rauskitzeln. Ich wende ihn im Schnitt alle drei Wochen an. Mit diesem Pflegekonzept bin ich in den letzten zwei Jahren sehr gut gefahren. Um einer Pflege-Monotonie entgegenzuwirken, werde ich in den kommenden Jahren immer wieder abwechselnde Verfahren anwenden.

Rasenwelt: Wie bereitest du die Rasenflächen auf den Winter vor? Wann fängst du damit an?

Guido Schmiedeberg: Zu den ersten wichtigen Maßnahmen zählt die Verringerung des Stickstoffgehalts im Boden. Um Rasenkrankheiten wie dem Schneeschimmel entgegenzuwirken, fällt die Herbstrasendüngung daher eher Kali-betont aus. Die Schnitthöhe von 32-35 mm halte ich das ganze Jahr über bei und mähe solange der Rasen noch wächst. Auch der Striegel kommt bis zum Ende der Saison regelmäßig zum Einsatz.

Das Sportzentrum Poing ist eine öffentlich zugängige Liegenschaft, daher sind wir angehalten, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Sofern die Notwendigkeit besteht, führen wir im Abstand von ca. fünf Jahren eine Pflanzenschutzmaßnahme gegen Unkräuter durch.

Rasenwelt: Was machst du dann im Winter? Wie geht ihr im Winter mit den Plätzen um, bei Frost oder Schnee?

Guido Schmiedeberg: Das alljährliche Ziel ist es, die Rasenplätze bis zum Ende der Spielsaison so gut wie möglich bespielbar zu halten. Wetterbedingt und durch die hohe Nutzungsintensität ist das leider nicht immer möglich. Generell dürfen die Plätze solange bespielt werden bis kein Frost im Boden ist, kein Schnee auf den Plätzen liegen bleibt und sie den Spielbetrieb verkraften. Mit dem Ziel keinen der Rasenplätze völlig aufgearbeitet in den Winter zu schicken, muss in der Übergangszeit unser Kunstrasenplatz vermehrt bespielt werden. Außerdem findet das Training im Winter zum Teil auch in der Dreifach-Turnhalle statt. Spätestens zum Saisonende bzw. mit Wintereinbruch werden alle Rasenplätze bis zum Frühjahr gesperrt.

Rasenwelt:  Wie bekommst du deine Flächen gut aus dem Winter?

Guido Schmiedeberg: Je nachdem, wann und wie die Rasenplätze aus dem Winter kommen, beginnen die ersten Maßnahmen wie leichtes Striegeln und Düngen. Sobald die Nährstoffe zu wirken beginnen, dauert es nicht lange bis das erste Mal gemäht werden kann. Wenn die Fußballspieler sehen, dass ich angefangen habe zu mähen, gibt es fast kein Halten mehr. Die Rasenplätze werden dann zeitnah für den Trainings- und Spielbetrieb freigegen. Der Verein wird von mir darauf hingewiesen, dass die Plätze nach der Winterpause erst wieder an die Nutzung gewöhnt werden müssen. Ein bis zwei Wochen nach Freigabe der Rasenplätze spielt der Kunstrasen im Trainings- und Spielbetrieb bis zum Herbst nur noch eine Nebenrolle.

Rasenwelt: Was würdest du gerne anders machen, wenn du die Möglichkeiten dazu hättest?

Guido Schmiedeberg: Derzeit werden leichte Bodenbearbeitungen wie das Aerifizieren (ca. 6 cm tief) von unserem externen Dienstleister ausgeführt. Es wäre super, wenn ich meinen Maschinenpark dahingehend erweitern könnte, dass ich diese Arbeit selbst und häufiger im Jahr durchführen könnte. Meines Erachtens würde das den Plätzen sehr gut tun, denn für einen gesunden und strapazierfähigen Rasen spielt vor allem  die Bodenbelüftung eine sehr entscheidende Rolle.

Rasenwelt: Möchtest du deinen Kollegen aus dem Amateursport noch etwas aus deiner Erfahrung mitgeben?

Guido Schmiedeberg: Ich finde ist es sehr wichtig, sich mit anderen Platzwarten austauschen. Ich bin an den Wochenenden hin und wieder unterwegs und schaue mir andere Fußballplätze/Sportanlagen an. Ab und zu komme ich dabei mit den Platzwarten ins Gespräch. Auch der Kontakt zu Greenkeepern  aus der Bundesliga hat mir schon bei Problemsituationen weitergeholfen. Daher mein Rat: Steht im gegenseitigen Austausch und probiert auch mal was Neues, selbst wenn ihr der Meinung seid, dass es doch seit Jahren gut läuft!

Rasenwelt: Vielen Dank Guido für den interessanten Einblick und alles Gute!

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