Recyceln auf dem Golfplatz

James  Hutchinson wurde erst kürzlich zum Umweltbeauftragten des  St.  Andrews Links Trust ernannt. Zu seinen Aufgaben zählen u.a. der Schutz wild lebender Pflanzen und Tiere sowie der nachhaltige Umgang mit der Umwelt auf Golfplätzen. In diesem Artikel berichtet der mehrfach ausgezeichnete Umweltexperte über die Nutzung von recycelten Materialien auf Golfplätzen.

Nun gut, lassen Sie uns mit dem Begriff „Recycling“ beginnen. Einfach gesagt handelt es sich dabei um etwas, das bereits zuvor benutzt wurde, oder anders ausgedrückt um secondhand Ware. Nehmen sie mal ihren Mäher, der war in seinem früheren Leben vielleicht mal ein Teil eines Autos oder ein metallischer Bestandteil eines Computers oder anderen Haushaltsgerätes. Allerdings sind es nicht diese harten Materialien, um die es in unserer Branche in der Hauptsache geht. Deshalb konzentriere ich mich auf die etwas Natürliches und biologisch abbaubares wie z.B. Rasenschnittgut oder andere recycelte Materialien die eben auf Golfplätzen so anfallen.

Warum Kompost?

Auf Golf- und Sportplätzen wird eine große Menge an Grasschnitt produziert und häufig genug stehen Platzwarte und Greenkeeper vor dem Problem, wohin nur mit diesem ganzen Material? In einigen Fällen erledigen Gemeinden oder Entsorgungsbetriebe diese Aufgabe, allerdings gegen eine nicht unerhebliche Gebühr. Warum also diesen Grünschnitt nicht zum eigenen Vorteil wiederverwerten anstatt für die Entsorgung durch andere viel Geld zu zahlen? Alles was man dazu braucht um daraus einen guten Qualitätskompost herzustellen sind der Grasschnitt, Bioabfälle (z.B. Küchenabfälle wie Kartoffelschalen und geschredderten Papiermüll) und eine halbe Stunde Arbeit alle 14 Tage (je nachdem wie viel Material Sie haben, kann ein Frontlader oder Bagger erforderlich sein).

Kompostierte Rasentragschicht

Kompostierte Rasentragschicht und Schnittabfälle

Was meine eigene Vorgehensweise bei dieser Problematik in der Vergangenheit angeht bin ich genau so schuldig wie jeder andere Greenkeeper, wenn es um die Entsorgung des Schnittgutes geht. Denn die Mehrheit wirft den Grasschnitt immer getreu dem Motto „ aus den Augen aus dem Sinn“ einfach in den angrenzenden Wald oder über den Zaun. Wir alle haben das getan und ich vermute, dass es nicht wenige Kollegen immer noch genau so machen, weil es ja schließlich „immer so gemacht wurde“ – übrigens eine Aussage, die ich persönlich nicht mehr hören kann! Dabei ist es auch in Deutschland mittlerweile ein Verstoß gegen geltende Gesetze und damit völlig inakzeptabel, wenn man das Schnittgut z.B. in der Nähe von oder sogar in Wasserläufe, Bäche oder Seen entsorgt. Sie fragen sich warum das so ist?

Auf die biologischen Hintergründe und Prozesse werde ich später genauer eingehen. Einfach gesagt, wenn man den Rasenschnitt alleine auf einem Haufen lagert, dann entstehen beim Zersetzungsprozess so hohe Konzentrationen an Salzen und organischen Säuren dass hierdurch alle darunter liegenden Pflanzen samt der Wurzeln absterben. Eine solche Vorgehensweise ist ganz offensichtlich im Greenkeeping alles andere als gute fachliche Praxis. Wenn diese Säuren dann noch in tiefere Bodenschichten gelangen, dann verhindert dass auch die Entwicklung eines neuen Pflanzenbestandes. Wenn sich hier überhaupt noch Gräser entwickeln, dann meist nur wenig hilfreiche Sorten wie jährige Rispe oder Unkräuter.

Sie müssen außerdem in Betracht ziehen, dass das Schnittgut möglicherweise noch Mineraldünger sowie aktiv wirksame Fungizide oder Herbizide enthält und bei der Entsorgung so auf Kosten der Umwelt in Teiche oder Bäche gelangt und hier zu nachhaltigen Schäden führt. Es gibt also bei der Entsorgung von Schnittgut eine Menge zu beachten.

Der wissenschaftliche Teil:

Kompost, was ist das? Einfach ausgedrückt handelt es sich dabei um das Resultat eines Prozesses, bei dem leicht verwertbares organisches Material unter Einfluss von Luft, Sauerstoff, Bakterien und Pilzen abgebaut wird. Diesen Kompost kann man dann als Boden- oder Sandzusatz oder sogar als organischen Dünger verwenden. Hier geht es in der Folge aber nicht um den Kompostierungsprozess, sondern um das Thema Humus.

Denn Humus ist quasi das angestrebte Endprodukt der Kompostierung. Hier sind die Umsetzungsprozesse der Kompostierung größtenteils abgeschlossen. Es ist also der Humus der sich zur Wiederverwertung und damit zum erneuten Einsatz auf dem Golf- oder Sportplatz eignet. Interessanterweise sind die natürlichen Umwandlungsprozesse im Humus soweit abgeschlossen dass er sehr stabil ist und bei den richtigen Umgebungsbedingungen mehrere Hundert Jahre in seiner Form in tieferen Bodenschichten überdauern kann. Er wird erst dann instabil, wenn man damit beginnt, wieder weitere organische Stoffe hinzuzufügen, oder das Material umzugraben. Daher ist es sehr wichtig, dass man den Humus in seiner richtigen Form auf Golfplätzen verwendet.

Humus

Frischer, nährstoffreicher Humus

Während meiner Dissertation über Humus habe ich  die  folgenden  erstaunlichen Tatsachen herausgefunden. Humus kann  zwischen  80-90  % eigenen  an Feuchtigkeit speichern! Aber nicht  nur das, Humus gibt auch milde  organische  Säuren ab die wichtige mineralische Nährstoffe wie Zink und Eisen freisetzen. Also Nährstoffe, die für uns Greenkeeper im Hinblick auf das vitale Wachstum der Gräser sehr wichtig sind. Aber wie macht der Humus das? Man nennt den zugrunde liegenden Prozess Chelatisierung. Ein Vorgang, dessen genaue Erklärung deutlich mehr Seiten füllen würde, als man mir im Magazin zugesteht. Daher fasse ich mich bei der Erklärung sehr kurz. Die Chelatisierung hat eine Art Brückenfunktion. Sie macht zuvor im Boden festgelegte und damit nicht pflanzenverfügbare Nährstoffe wieder pflanzenverfügbar, indem dabei eine Art Ring um den Mineralstoff gelegt wird. Auf diese Weise wird damit zuvor festgelegtes Zink oder Eisen wieder beweglich und damit für die Gräser aufnehmbar. Es ist daher wissenschaftlich bewiesen, dass Humus die Gesundheit unserer Gräser durch die eben beschriebene Fähigkeit nachhaltig fördert. Und ist es nicht genau das was wir Greenkeeper und Platzwarte für unsere Gräser wollen?

Wie bereits zuvor erwähnt, sind wir eigentlich auf der Suche nach der Endstufe des Kompostierungsprozesses, die man als Humus bezeichnet. Humus ist das Resultat eines vierstufigen Prozesses, dessen detaillierte Beschreibung ebenso wie die Chelatisierung zu viele Seiten in diesem Magazin beanspruchen würde. Man spricht von der Abbauphase, der Umbauphase, der Aufbauphase und der Reifephase. In meiner Doktorarbeit brauchte ich Monate der Forschung, um die genauen Vorgänge während der genannten Phasen zu analysieren. Daher werde ich versuchen die folgende Erklärung möglichst kurz und verständlich zu halten.

Phase 1 – Dauer ca. 1 Woche
Leicht abbaubare Eiweiße und Zucker werden von einer Vielzahl verschiedenartiger Mikroorganismen, d.h. von Bakterien und Pilzen, zerlegt. Die Temperatur im Kompost erreicht etwa 40°C, der Säuregrad (pH-Wert) sinkt leicht ab, da es bei der schnellen Umsetzung der leicht abbaubaren Substanzen zu Anreicherung organischer Säuren kommt.

Phase 2- Dauer 2-7 Wochen
Die Temperatur im Inneren des Komposthaufens kann – bei entsprechender Größe der sogenannten Miete – auf ca. 70 °C ansteigen. Durch die Verwertung organischer Säuren, durch die Freisetzung von Alkali- (Natrium, Kalium) und Erdalkalimetallen (Magnesium, Calcium) sowie durch die Bildung von Ammonium und Ammoniak steigt der pH-Wert an. Mit steigenden Temperaturen sterben die Mikroorganismen der ersten Phase ab und neue Mikroorganismen treten auf. Bei Temperaturen zwischen 50°C und 65°C siedeln sich in der Folge Wärme liebende Pilze, Bakterien und Strahlenpilze an. Bei Temperaturen über 65°C treten sporenbildende Bakterien auf. In dieser 2. Phase werden neben leicht abbaubaren Substanzen nun auch schwerer verwertbare Bestandteile der pflanzlichen Zellwand vorwiegend durch Pilze abgebaut.

Phase 3 – Dauer 7-12 Wochen
Nach dem weitgehenden Abbau der leicht zersetzbaren organischen Materialien geht die mikrobielle Tätigkeit zurück und die Temperatur im Kompost sinkt langsam auf 40-45°C ab. Es treten nun auch wieder die Mikroorganismen der 1. Phase auf.

Phase 4 – mehrere Wochen
Die Komposttemperatur sinkt auf die Umgebungstemperatur ab, der pH-Wert stabilisiert sich um pH 7. Es bildet sich ein stabiler Humus.  In dieser 4. Phase erscheinen auch die komposttypischen Bodentiere wie Milben, Käfer und Käferlarven, Asseln und zuletzt die Würmer. Den so entstandenen stabilen Humus kann man nun wieder zum Einsatz auf dem Golfplatz verwenden. Aber achten Sie darauf, dass der Reifeprozess auch wirklich abgeschlossen ist. Denn ansonsten besteht die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten. Seien Sie also gewarnt!

Grasproben

Proben mit verschiedenen Gräsersorten

Die Versuche die ich unter kontrollierten Bedingungen mit recyceltem Sand in Kombination mit Humus bei Deutschem Weidelgras, Straußgars und Rotschwingel durchgeführt habe, waren durchweg positiv. So zeigten die Gräser auf Rasentragschichten, in die Humus eingemischt war, einen deutlich höheren Zuwachs an Wurzel- und Blattmasse, ein gesünderes Wachstum und insgesamt eine deutlich erhöhte Toleranz gegenüber allen Arten von Stress im Vergleich zu unbehandelten Kontrollflächen.

Dieses Resultat ist offensichtlich für jeden Platzwart oder Greenkeeper, der Humus in das Rasentragschichtmaterial (RTS) einmischt. Aber wissen Sie auch was der Grund dafür ist? Das liegt daran das der Humus alle notwendigen Eigenschaften besitzt, die Voraussetzung für ein gesundes Gräserwachstum sind. Die Message ist also: „Gebe ein wenig Humus zum RTS Material und beobachte selber was passiert!“.

Damit meine ich natürlich nicht, dass Sie jetzt ein Grün oder Fairway bauen sollen, deren Grundlage aus Kompost besteht! Ich meine damit dass Sand gemischt mit etwas Humus sich deutlich positiver auf das Gräserwachstum auswirkt als Sand alleine. Die notwendige Menge an Humus ist natürlich abhängig vom Standort und von der Beschaffenheit des vorhandenen Bodens. Daher sollten Sie vorher selber Tests durchführen, bevor Sie irgendetwas bestehend aus einer Kombination von Sand, Boden und Kompost für den Bau bestimmter Bereiche einsetzen. Und achten Sie darauf, dass der Reifeprozess abgeschlossen ist und nur stabiler Humus zum Einsatz kommt!.

Wie stellt man Kompost/Humus her?

Eigentlich ist das sehr einfach. Entscheidend ist das richtige Timing! Wenn Sie einen geeigneten Standort gefunden haben, im besten Fall mit einer betonierten Bodenfläche (nicht in der Nähe eines Gewässers oder auf reinem Boden). Dann beginnen Sie damit das Schnittgut auf einem Haufen abzukippen. Nun mischen Sie ein wenig Holzschnitzel, geschreddertes Papier, Kartonagen, Schalen und Küchenabfälle oder alles zusammen dazu. Durch das Hinzufügen von Papier oder Pappe entstehen Lufträume im Haufen, wenn das Material erstmal zerfallen ist. Und Sauerstoff ist u.a. sehr wichtig damit sich ausreichend Hitze entwickeln kann und so der Vorgang der Kompostierung mit maximaler Effizienz abläuft. Küchenabfälle beschleunigen die Zersetzung der Gräser, die alleine ansonsten aufgrund ihrer Beschaffenheit über längere Zeit stabil bleiben würden.

Wenn Sie nicht über eine betonierte Fläche verfügen, dann kippen Sie zuvor auf der Fläche recycelten Sand ab. Der Sand wird dann die bei der Kompostierung entstehenden Flüssigkeiten auffangen und so ein Versickern in den Untergrund vermeiden. Während des Kompostierungsvorganges können ziemlich unangenehme Gerüche entstehen. Achten Sie daher darauf, den Komposthaufen in größerer Entfernung zum Clubhaus oder angrenzenden Nachbarn anzulegen. Ansonsten könnte es sein das Sie unangenehme Post von verärgerten Mitbürgern erhalten.

Im Idealfall würden Sie mindestens drei Komposthaufen anlegen die sich in verschiedenen Kompostierstadien befinden. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass für einige von Ihnen der Platz für dieses Vorhaben eher begrenzt ist. Allerdings handelt es sich wie schon zuvor erwähnt bei der Kompostierung um einen vierstufigen Prozess. Eine Zugabe von immer weiterem Material auf denselben Haufen ist in diesem Zusammenhang nicht effizient im Hinblick auf eine vernünftige Bildung von geeignetem Humus. Ganz entscheidend bei der Kompostierung ist die ausreichende Menge von Sauerstoff. Daher müssen Sie sie den Komposthaufen gelegentlich wenden oder umsetzen. Das muss nicht wöchentlich, sondern nur einmal pro Monat gemacht werden.

Falls sie kein Platzproblem haben dann könnte für Sie die sogenannte Trapezmieten Kompostierung interessant sein. Das Kompostieren mittels dieser Methode ist für diejenigen ideal, die über große Flächen verfügt und eine schnelle und effiziente Humusbildung erreichen möchte. Es gibt keine Vorschriften für die Länge der Mieten. Die Breite sollte aber mindestens zwei Meter betragen um eine ausreichende Wärmebildung zu gewährleisten. Sind die Mieten schmäler so kommt es zu Wärmeverlusten und der Umsetzungsprozess wird deutlich langsamer.

Wozu verwenden wir den Kompost/ Humus?

Jetzt kommen wir zum einfachen Teil! Es gibt sehr viele Möglichkeiten wie sie Ihren selbstgemachten Kompost verwenden können. Bringen Sie diesen z.B. in die Blumenbeete auf dem Golfplatz ein. Verkaufen Sie ihn an die Clubmitglieder für den Einsatz als Bodenverbesserer im eigenen Garten. Mischen Sie ihn mit Boden zum Einsatz in stark belasteten Bereichen. Verarbeiten Sie ihn an Bunkerrändern.

Wintergrün

Wintergrün

Der Fairhaven Golf Club baute ein Winter-Tee aus Kompost und recyceltem Sand – ein voller Erfolg! Der Golfclub war so sehr von seinem neuen Tee begeistert, dass sieben weitere Tees derselben Bauweise entstanden. Das angewandte Verhältnis bestand zu drei Vierteln aus recyceltem Sand und zu einem Viertel aus Kompost. Sand allein ist nicht optimal im Hinblick auf die Aufnahmefähigkeit von Feuchtigkeit und Nährstoffen. Aber durch das Hinzufügen von Kompost entsteht eine wahre Wunderwaffe und man erhält ein RTS-Material für ein vitales und stresstolerantes Gräserwachstum.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Sand eine endliche Ressource ist und letztendlich auf den meisten Golfplätzen bald nicht mehr in großen Mengen verfügbar sein wird. Über diese Aussage hat man vor einigen Jahren noch gelacht, aber in naher Zukunft könnte dieser Mangel schon bald er Realität entsprechen. Andere Bereiche, in denen die eine Mischung aus Sand, Boden und Kompost von Nutzen gewesen ist, sind die Geh- und Fahrwege auf Golfplätzen. Ich möchte hier allerdings nochmals darauf hinweisen, dass eine Mischung aus Sand, Boden und Kompost in höheren Mengen nicht besonders gut für den Einsatz auf Spielflächen wie Grüns oder Fairways geeignet ist. Der Untergrund könnte hier zu weich werden. Für Winterabschläge jedoch leistet eine leichte Zumischung einen guten Beitrag im Hinblick auf Belastbarkeit wenn die Golfer ihre Eisen schwingen.

Falls Sie Ihren Golfplatz ein wenig aufpeppen möchten, warum pflanzen Sie dann nicht einfach eine Wildblumenwiese unter Verwendung ihres selbstgemachten Kompostes? Sie sehen dass ein Recyceln von Schnittgut durchaus lohnenswert und die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielschichtig.

Wir haben heute unseren Blick Humus / Kompost geworfen, was er eigentlich ist, wie wir ihn herstellen und seine Einsatzmöglichkeiten in einer feinen Rasenumgebung. Hätten Sie gedacht, dass Sie so einen wertvollen und nutzvollen Rohstoff um sich haben und ihn bis zum heutigen Tag immer weggeschmissen haben?

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