Planungsphasen der Golfplatzarchitektur

Die Planung eines Golfplatzes ist heutzutage ein sehr umfangreicher und vielschichtiger Prozess. Die Fülle an Informationen, Planunterlagen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und planungsrechtlichen Verfahren wird für alle, die sich mit dieser Aufgabe nicht von Berufs wegen befassen, unerwartet komplex erscheinen.

Jedes Projekt, ob verhältnismäßig klein, wie beispielsweise der Neubau einer Driving-Range oder auch größer, wie die Anlage eines 18-Loch Platzes, hat seine ganz individuelle Herangehensweise und Herausforderung. Als Golfplatzarchitekt ist es die Aufgabe, sich mit den unterschiedlichsten Problemen und Besonderheiten eines jeden Geländes auseinander zu setzen, natürliche Charakteristika zu erkennen und herauszuarbeiten, zugleich gilt es, häufig auftretende Unwägbarkeiten geschickt zu kompensieren und Alternativen zu entwickeln. Aber auch wirtschaftliche Faktoren sind frühzeitig zu berücksichtigen, um den kommerziellen Erfolg der Anlage langfristig zu garantieren. Ausgangspunkt einer Planung ist die Absicht eines Einzelnen oder einer Initiatorengruppe, auf einem bestimmten verfügbaren Grundstück ein Golfplatzprojekt zu verwirklichen. Meist kommen Bauherren mit einem bestimmten Gelände auf uns zu und wollen wissen, in wie weit das Plangrundstück für eine Golfanlage geeignet ist. Diese Phase ist absolut kritisch, da Beschaffenheit und Rahmenbedingen des Baugrundstücks den größten Einfluss auf die Herstellungskosten und den späteren Unterhalt haben.

Folgende Fragen gilt es von Beginn an zu klären:

Christian Althaus

Christian Althaus, Golfplatzarchitekt mit Bürositz in Düsseldorf, besitzt jahrelange Berufserfahrung und betreute bisher erfolgreich mehr als 20 Projekte.
www.althausgolfdesign.de

  • Ziele, Absichten und Charakter der Golfanlage
  • Größe des Geländes • Verfügbarkeit von Beregnungswasser
  • Topographie
  • Eignung des Bodens
  • Geologie
  • Vegetation und Ökologie
  • Schutzausweisung und Auflagen
  • Budget Planung

Standortanalyse und Machbarkeitsstudie
Zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Projektphase wird ein Ortstermin vereinbart und das Plangelände besichtigt. Eine intensive Analyse des Standortes ist für die Realisierung des Golfprojektes im Vorfeld von grundlegender Bedeutung. Manche Bauherren haben genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen, andere sind noch auf dem Weg der Entscheidungsfindung. Je mehr Informationen unser Büro zu diesem Zeitpunkt erhält, desto eher sind wir in der Lage, die optimale Planung für den Standort zu entwickeln. So sind u.a. Luftbilder, topographische Karten, Informationen zur Vornutzung oder zu empfindlichen Problembereichen äußerst hilfreich. Vor Ort gilt es, den Charakter des Geländes und die natürlichen Gegebenheiten kennen zu lernen, um das Potential der zukünftigen Golfanlage einschätzen und daraus Planungsideen ableiten zu können.

Vorplanung
Diverse erste Entwurfsvarianten werden entwickelt, die mit den Ideen des Kunden, dessen Betriebskonzept und Budget in Einklang gebracht werden. Ausgangspunkt sind zunächst einige Planvarianten, die mittels eines Routing Plans, der den möglichen Golfbahnenverlauf und die Gliederung des Geländes zeigt, skizziert werden. Der Plan ist bewusst schematisch gehalten und beschränkt sich in der Darstellung auf die Lage der einzelnen Golfplatzelemente zueinander. Ergänzend werden Vorschläge zur Erschließung der Anlage wie auch zur Lage von Gebäuden (z.B. Clubhaus, Maschinenhalle) und Trainingsbereichen gemacht. Nachdem man sich für eine Variante entschieden hat, geht es in die Phase des Entwurfs. Die Spielbahnen werden nun mit ihren Designelementen detaillierter ausgearbeitet und eine Scorekarte mit Längenangaben und Par der einzelnen Löcher erstellt. Gleichzeitig wird die Ausbauvariante mit präzisen Kosten hinterlegt.

Genehmigungsplanung
Auf der Grundlage dieses vorläufigen Entwurfsplans wird ein Genehmigungsplan erarbeitet. Häufig empfiehlt sich die zusätzliche Einbindung von lokal ansässigen Büros, die mit örtlichen Gegebenheiten vertraut und Ansprechpartnern bekannt sind. So kann die Anlage ohne bürokratische Schwierigkeiten realisiert werden. Eine entsprechende Zeitschiene und die Schnittstelle zu anderen Fachplanern sind klar zu organisieren.

Masterplan
Die finale Entwurfsfassung, der sogenannte Masterplan, beinhaltet ein mehrfach optimiertes Layout, das auf die Belange der Projektbeteiligten abgestimmt ist und die verschiedensten Funktionsbereiche darlegt. Auf Basis der bestehenden Geländekonturen werden Erdbewegungen, Entwässerung und weitere Details der einzelnen Spielbahnen geplant. Abschläge, Fairways, Grünkomplexe, Bunker und andere Hindernisse werden genauer dimensioniert, ihre Lage und Modellierungen festgelegt. Hierbei wird die zukünftige Pflege, optische Wirkung und die Umgebung des Golfplatzes einbezogen, damit sich die Anlage in die bestehende Natur integriert und eine harmonische Einheit mit ihr bildet. Durch konkrete Massenberechnungen lassen sich die Baukosten frühzeitig kalkulieren, so dass im Rahmen der Designphase jederzeit Kostenanpassungen möglich sind.

Detailplanung und Visualisierung
Abschläge, Teiche, Beregnung, Entwässerung, Transport- und Wegenetze, Bunker, Ansaat und Bepflanzung sind Details des Platzes, die bei der Ausführungsplanung berücksichtigt werden und sich an der FLL-Richtlinie / USGA für den Bau von Golfplätzen orientieren sollten. Entscheidend ist zudem die individuelle detaillierte, weiche und fließende Modellierung der Spielelemente, die der Golfanlage ein einzigartiges Gesicht verleihen und Grundlage für eine optimale Pflege bieten. Die spielstrategische und ästhetische Gestaltung wie auch die Qualität der Details machen den besonders guten Golfplatz aus. Heutzutage ist für viele Bauherren die Darstellung der Planung in 3D als Film oder als fotorealistisches Bild von immer größerer Bedeutung, um vor der eigentlichen Realisierung die Anlage anschaulich zu präsentieren.

Ausschreibung und Vergabe
Auf Basis einer detaillierten Mengenermittlung wird ein präzises Leistungsverzeichnis erstellt und Angebote bei 4-6 qualifizierten Baufirmen eingeholt. Nach deren Prüfung und Wertung wird mit den günstigsten Bietern verhandelt und eine Firma für die Ausführung ausgewählt. Häufig lassen sich bei entsprechenden Kapazitäten am Markt günstige Angebotspreise erzielen, zudem kann der Auftrag zu einem Pauschalpreis vergeben werden.

Bauüberwachung
Entscheidend für erstklassige Resultate ist eine intensive Bauüberwachung. Bei regelmäßigen Besuchen werden Qualität und verwendete Baumaterialien auf Übereinstimmung mit den Ausführungsplänen und den Leistungsbeschreibungen sowie mit den anerkannten Regeln der Technik überwacht. Zudem werden Protokolle erstellt, Zeitpläne kontrolliert und die Rechnungslegung geprüft. Im Rahmen der Abnahme wird die Bauleistung final inspiziert und gegebenenfalls zur Beseitigung festgestellter Mängel aufgefordert. Zusammenfassend läßt sich sagen, dass eine sorgfältige und gute Golfplatzplanung Voraussetzung ist für einen effektiven und reibungslosen Baustellenablauf, so dass die Realisierung der Bauherrenwünsche frist- und budgetgerecht erfolgt. Zugleich sind Bau- und Betriebskosten im Hinblick auf Rentabilität genauestens zu berechnen, um den kommerziellen Erfolg der Golfanlage zu gewährleisten. Gleichermaßen sollte das Design der Golfanlage die Ästhetik der umliegenden Landschaft unterstreichen und ein unvergessliches Golferlebnis für Golfer aller Spielstärken sein.

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