„Ohne Moos nix los“

Über die Chancen kleinerer Vereine, dem Strukturwandel Rechnung zu tragen!

Viele Vereine erleben einen stetigen, oft dramatisch zunehmenden Mitgliederschwund. Auf der Suche nach den Ursachen empfiehlt sich die Erstellung einer SEP, die über empirische Daten und einer örtlichen Bestandsaufnahme sowie Befragungsaktionen der sporttreibenden Bevölkerung die Defizite herausarbeitet. Eine Sportstättenentwicklungsplanung beantwortet die Frage „welche Sportanlagen und Sportgelegenheiten in welcher Anzahl, in welcher sportfunktionellen und baulichen Ausgestaltung, mit welcher Ausstattung und an welchen Standorten für die Bevölkerung heute und in Zukunft vorzuhalten sind.“

Häufig stellt sich dabei heraus, dass die Sportanlagen des Vereins in die Jahre gekommen sind und nicht mehr den oft hohen Ansprüchen der Mitglieder genügen. Wie anders lässt es sich erklären, dass Mitglieder dem Verein und seinem Mitgliedsbeitrag von < 10 € den Rücken kehren und ohne mit der Wimper zu zucken 60 € / Monat auf den Tisch des privaten Fitneßstudios legen.Diese Leute sehen den Verein, in dem vielleicht schon der Großvater engagiert war, nicht mehr als ihren Mittelpunkt und ihre Heimat an. Sie erwarten, dass sie ihre Lieblingssportart in diesem Verein auch ausüben können und nicht etwas aus dem angebotenen Programm im Rahmen der vorhandenen Sportstätten aussuchen müssen. Junge Mütter wollen ihre Kinder mitbringen und diese während des Aufenthalts betreut wissen, Senioren erwarten einen Generationensportpark und und und.

Viele Vereine haben die Problematik längst erkannt, möglicherweise auch bereits einen aussagekräftigen Sportentwicklungsplan vorliegen, der ihnen schonungslos aufzeigt, was fehlt:

  • ein Multifunktionsgebäude mit Wohlfühlcharakter inkl. Yogaräume, Gerätefitneßhalle, Kinderbetreuung, Cafe / Bistro, Sauna mit Ruhebereich usw. usw.
  • eine moderne Außensportanlage mit Kunstrasenplatz für die Fußballer, einer Finnenbahn für die Läufer, Kunststoffflächen für die Leichtathleten, Generationensportgeräte speziell für die Senioren, ein dirt-bike-parcours für die bmx Jugendabteilung usw.

Vielen dieser Wünsche ist eines gemeinsam:  sie kosten viel Geld. Geld, das der Verein nicht hat und ihm die Kommune oft auch nicht geben will und darf. Häufig bleibt dem Verein deshalb nichts anderes übrig, als auch unkonventionelle Wege zu beschreiten, dieses Geld zu beschaffen. Dabei ist kein Banküberfall gemeint, sondern die Möglichkeit, das Vereinsareal über eine Bauleitplanung aufzuwerten, gewinnbringend zu veräußern und mit dem eingenommenen Geld die vorab beschriebene zeitgemäße Anlage zu bauen.

„Die wenigsten Vereine wissen, auf welchem Schatz sie sitzen.“

Selbstverständlich sind dabei viele Hürden zu nehmen:

Ohne die Bereitschaft der Kommune, bei einem solchen Vorhaben mitzuziehen, läuft gar nichts, da die Kommunen die Planungshoheit haben. Da aber gerade in kleineren Kommunen / Gemeinden die Sportvereine stark in der Kommunalpolitik verankert sind und entsprechenden Einfluss ausüben können, ist diese Planungshoheit von großem Vorteil.

Eine Verlagerung macht aber nur dann Sinn, wenn ein geeignetes Grundstück in Aussicht steht und vorab klar ist, dass es auch in den Besitz des Vereins übergehen kann, was sowohl den Kauf als auch eine Erbpacht einschließt. Auch hierbei ist in aller Regel die Mitwirkung der Kommune gefragt, denn häufig liegen geeignete Grundstücke im baurechtlichen Außenbereich.

Landschaftsarchitekten übernehmen die Aufgabe, mögliche Ersatzstandorte auf ihre Eignung zu prüfen. Die Hauptschwerpunkte dieser Untersuchung bilden der Immissionsschutz (welche Auswirkung auf Anwohner hat die Geräuschentwicklung durch den Sportbetrieb, aber auch durch an- und abfahrende PKW’s) sowie der Naturschutz (liegt der Bereich in einem Schutzgebiet oder brüten dort geschützte Vögel), aber auch andere naturräumliche Faktoren (Hochwasser / Überschwemmungsgebiet, Bodenverhältnisse, Wald) sollten nicht außer acht gelassen werden.

Landschaftsarchitekten übernehmen wiederum die Aufgabe, die Kommune beim notwendigen Planungsprozess zu begleiten, sei es bei der Änderung des Flächennutzungsplans, der Aufstellung eines Bebauungsplans oder bei der Erstellung von notwendigen Gutachten. Der Bauleitplanung wird dabei in aller Regel bereits ein auf die Bedürfnisse des Vereins zugeschnittener und vorab erstellter Masterplan zugrunde gelegt. Dieser von einem erfahrenen Sportplatzplaner erstellte Masterplan basiert im besten Fall auf den Ergebnissen der Sportstättenentwicklungsplanung (SEP), kann aber natürlich auch im Benehmen zwischen Verein und Planer entwickelt werden.

Erst nach Abschluss der Bauleitplanung sollte der Verkauf des alten Vereinsgeländes vollzogen und der Bauantrag eingereicht werden. Neben dem Erarbeiten der Genehmigungspläne fällt dem Landschaftsarchitekten dabei auch die Rolle zu, den Verein beim Stellen der Anträge um Erhalt eines Zuschusses kompetent zu beraten und engagiert zu begleiten. Erst nach Erhalt des Zuschussbescheides darf der Verein die Ausschreibung versenden und Angebote zum Bau einholen.

Grundsätzlich sollte sich jeder Verein die Frage stellen, ob sein Konzept noch aufgeht und er die Vielfalt an Mitgliedsinteressen befriedigen kann. In Zukunft werden nur mitgliederstarke Vereine mit einem breitgefächerten Angebot überlebensfähig sein, deshalb sollte auch sehr sorgfältig geprüft werden, ob auch eine Fusion mit einem anderen Verein in Frage kommt. Eine „Mitgift“ in Form von evtl. mehreren Millionen Euro kann eine solche „Ehe“ sehr beflügeln und letztlich zum Wohle aller Mitglieder beider Vereine vollzogen werden. Besser eine topmoderne gemeinsame Halle als keine Halle und besser ein gemeinsamer topmoderner Hybrid- oder Kunstrasenplatz als versumpfte Wiesen.

Ein Verein, der den Weg des Verkauf seines alten Vereinsgeländes beschritten hat, ist der Post SV Telekom Augsburg mit seinem charismatischen Präsidenten Heinz Krötz, der auch Vorsitzender des Augsburger Sportbeirats ist. Frühzeitig erkannte und postulierte Heinz Krötz, dass der Verein am alten Standort keine Zukunftsaussichten hat. Neben einem anhaltenden Mitgliederschwund, bedingt durch das fehlende Angebot an eigenen Trainingsmöglichkeiten und anhaltende Anwohnerbeschwerden durch die Lärmproblematik des Sportbetriebes, vor allem der Fußballer, war es vor allem die räumliche Enge der vorhandenen Anlagen ohne jede Erweiterungsmöglichkeit, die den Verlagerungswunsch auslöste.

Heinz Krötz überzeugte seine Mitglieder, die einer Verlagerung mit großer Mehrheit zustimmten. Seine Vision:  „Wir werden einen innovativen energetisch perfekten sowie den umweltfreundlichsten Sportpark Deutschlands bauen.“ Mit Feuereifer gingen verschiedene Planer ans Werk, um über Strukturplanungen das Altgelände bestmöglich verkaufen zu können und mit schönen bunten Plänen, an denen auch wir maßgeblich beteiligt waren, wurde bei den Stadträten um mögliche neue Standorte geworben.

Doch leider hat sich bis zum heutigen Tag keiner der vorgeschlagenen Standorte aus verschiedenen Gründen als realisierbar herauskristallisiert, so dass Heinz Krötz in seinem neuesten Mitgliederbrief bzw. in der Vereinszeitschrift (01/2015) auf Gespräche mit anderen Vereinen verweist, die Interesse an einer Kooperation (es muss ja nicht gleich eine Fusion sein) haben. Immerhin 3 Vereine können sich vorstellen, mit dem Post SV gemeinsame Sache zu machen. Ob und wie es klappt, wollen wir nach dem Vorliegen von Erfahrungswerten zu einem späteren Zeitpunkt berichten.       

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