NLZ FC Bayern München – La Massia 2.0?

NLZ FC Bayern München – La Massia 2.0?

Bild © FC Bayern München e.V.

Am 16. Oktober des vergangenen Jahres gab der FC Bayern den Startschuss für den Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrum. Auf einem ehemaligen Kasernen-Gelände an der Ingolstädter Straße erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für das neue Sportgelände. Auf insgesamt 30 Hektar soll hier bis Sommer 2017 für ca. 70 Millionen Euro das neue zukunftssichernde Bauprojekt des FC Bayern München entstehen.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass dies ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des FC Bayern wird“, sagte damals Vereinspräsident Karl Hopfner, „wir haben im Bereich der Rahmenbedingungen für den Nachwuchs Nachholbedarf im Vergleich zu den anderen großen europäischen Klubs. Genau deshalb gehen wir es jetzt an.“ Das rasenwelt Magazin sprach mit Jürgen Muth, dem Projektleiter für das Neue Sportgelände mit NLZ über Intensionen, Herausforderungen und Ziele, die an diese Investition geknüpft sind:

rasenwelt: Sehr geehrter Herr Muth, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, dem Architekten Prof. Albert Speer, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und dem ersten Bürgermeister der Gemeinde Oberschleißheim, Christian Kuchlbauer, gab Vereinspräsident Karl Hopfner am 16.10.2016 den Startschuss für den Bau des Geländes. Mit einer Größe von 30 Hektar ist das Baugrundstück ca. viermal so groß wie das Gelände an der Säbener Straße. Auf welche technische Ausstattung darf sich der Nachwuchs des FC Bayern München jetzt schon besonders freuen?

Jürgen Muth: Im Vergleich zum bisherig genutzten Areal an der Säbener Straße bietet alleine die schiere Größe des neuen Geländes viel mehr Möglichkeiten. Neben den insgesamt neu entstehenden 8 Trainingsplätzen kann sich der Nachwuchs zukünftig vor Ort auf eine optimale physiotherapeutische Betreuung freuen. Alleine hierfür werden Räumlichkeiten auf einer Fläche von mehr als 1.000 m2 zur Verfügung stehen.

FC Bayern München NLZ Grundriss

Grundriss des neuen NLZ. Bild © FC Bayern München e.V.

rasenwelt: Laut Herrn Hopfner gibt es in Sachen Rahmenbedingungen für Nachwuchs Nachholbedarf im Vergleich zu den anderen großen europäischen Klubs. Gab es da bei der Planung des neuen NLZ spezielle Vorbilder unter den europäischen Top Vereinen, wird es bei der Ausstattung Highlights geben die man so in Europa noch nicht gesehen hat und entsteht hier in Deutschland gar ein La Masia 2.0 ?

Jürgen Muth: Wir haben uns im Vorfeld, wie bei der Planung eines Bauprojektes dieser Größenordnung üblich, möglichst viele Zahlen, Daten und Fakten eingeholt, um mit dem neuen NLZ für die Ausbildung  des Nachwuchses die besten Voraussetzungen zu schaffen. Und natürlich haben wir uns auch das ein oder andere NLZ genauer angesehen, hier u.a. bei RB Leipzig oder Tottenham Hotspur.

Dennoch wird es in München kein La Masia 2.0 geben. Der FC Bayern wird hier nicht das Rad neu erfinden, aber ganz sicher gewährleisten, dass es den jugendlichen Athleten im Hinblick auf die optimale Förderung im Vergleich zu anderen erfolgreichen Klubs in Deutschland und Europa an nichts fehlen wird.

rasenwelt: Herr Hopfner hat immer vom Neuen Sportgelände mit Nachwuchsleistungszentrum gesprochen. Was umfasst eigentlich das Neubauprojekt genau?

Jürgen Muth: Beim Nachwuchsleistungszentrum handelt es sich im Wesentlichen um ein Akademiegebäude und natürlich um die Sportplätze, die künftig für den Trainings- und Spielbetrieb genutzt werden. Darüber hinaus wird ein Vereinsheim mit einer öffentlich zugänglichen Gastronomie errichtet. Ein Trainingsplatz steht weiter als Spielstätte zur Verfügung, wo bis zu 2.500 Zuschauer auf Tribünen unter Dach die Fußballspiele verfolgen können. Ganz wesentlich ist auch der Bau der Dreifachsporthalle, weil unter dem Dach des FC Bayern München e.V. auch noch andere Sportarten als Fußball, z.B. Handball und Basketball sehr gute Trainingsbedingungen bekommen sollen.

rasenwelt: Wie sehen Sie allgemein die Entwicklung der Nachwuchsleistungszentren in Deutschland und welches würden Sie jetzt schon als vorbildlich bezeichnen?

Jürgen Muth: Das „eine“ Vorbild gibt es für den FC Bayern München im Hinblick auf die Realisierung des NLZ nicht. Aber generell hat sich ja in den letzten 10 Jahren in Sachen Erneuerung und Renovierung von Stadien, Sportplätzen aber auch Nachwuchsleistungszentren hinsichtlich der Qualitäten sehr viel Positives getan.

rasenwelt: Welche Mannschaften werden im neuen NLZ trainieren und für wie viele Jugendliche ab welchem Alter wird das neue Internat insgesamt ausgelegt sein?

Jürgen Muth: Am neuen NLZ werden Talente ab der U9 aufwärts gefördert. Zusätzlich werden auch Frauen-mannschaften des FC Bayern an der Ingolstädter Straße trainieren. In der ersten Ausbaustufe bietet das Internat Platz für 35 Talente ab einem Mindestalter von 14 Jahren. Die Jugendlichen werden die schulische Ausbildung an umliegenden Bildungsstätten absolvieren. Außerdem werden auch Trainerteams und Betreuer auf dem neuen Sportgelände untergebracht.

rasenwelt: Neben zwei Kunstrasenplätzen entstehen 6 weitere Rasenplätze auf dem neuen Gelände. Auf welche Technik wird hier der FC Bayern im Hinblick auf den steigenden Hybridrasen Trend in Deutschland und Europa setzen?

Jürgen Muth: Zunächst werden neben den zwei Kunstrasenplätzen 6 normale Rasenplätze entstehen. Sollte die Notwendigkeit bestehen, können die Plätze auch mit einem passenden Hybridrasen System ausgestattet werden.

rasenwelt: Sind insgesamt nur Großspielfelder geplant oder entstehen auch spezielle Kleinspielfelder für die jüngeren Mannschaften?

NLZ Bauarbeiten FC Bayern München

Zustand der Baustelle Sommer 2016. Bild © FC Bayern München e.V.

Jürgen Muth: Spezielle Kleinspielfelder sind nicht geplant. Zwei Naturrasenplätze werden kleiner als normale DIN-Plätze sein. Es wird aber u.a. die bereits angesprochenen zusätzlichen Funktionsflächen geben, auf denen z.B. Volleyball, oder Basketball gespielt werden kann.

rasenwelt: Gibt es Ihrer Meinung nach ein ideales Trainingsplatzkonzept im Hinblick auf verbaute Techniken in modernen Nachwuchsleistungszentren?

Jürgen Muth: Meiner Meinung nach gibt es das eine ideale Konzept nicht. Hier ist jeder Verein gefordert, das für Ihn optimale Konzept zu etablieren und im Bedarfsfall mit der Zeit zu gehen und Umstellungen zu realisieren. Erfolg beruht sicher auch auf der Fähigkeit zur Flexibilität, ohne dabei die grundlegenden Tugenden und Werte aus den Augen zu verlieren.

rasenwelt: Ein solches Gelände ist im Hinblick auf das Greenkeeping natürlich durchaus aufwändig in der Pflege. Bedeutet das auch eine Aufstockung des Teams um den leitenden Platzwart Christian Dinauer?

Jürgen Muth: Mit Sicherheit werden wir unser Platzwart Team um Christian Dinauer verstärken, da sich die zukünftig für den FC Bayern München zu pflegende Fläche mehr als verdoppeln wird.

rasenwelt: Am 21.10.2015 – exakt 10 Jahre nach der Grundsteinlegung der Allianz Arena – fand diese am neuen Sportgelände mit Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München statt.
Wie ist der aktuelle Stand auf der Baustelle?

Jürgen Muth: An allen Gebäuden wird mit Hochdruck gebaut, erste Rohbauten sind bereits annähernd abgeschlossen. Bei der Spielstätte werden bereits Tribünenaufbauten mit einem Stahldach ergänzt und die Medienversorgung im Freibereich ist bereits weit vorangeschritten. Auch sind die Arbeiten an einem Kunst- und Naturrasenplatz bereits so weit vorangegangen, dass diese in den nächsten Wochen bereits abgeschlossen werden können.

rasenwelt: Sehr geehrter Herr Muth, vielen Dank für die wirklich interessanten Informationen und die besten Wünsche für ein gutes Gelingen bei der Umsetzung dieses Projektes.

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