My „New“ Favorite – Interview mit Christoph Vorhoff

rasenwelt: Hallo Herr Vorhoff. Seit Sommer 2016 haben Sie für die Profi Mannschaft des VfL Bochum 1848 einen verstärkten Naturrasen Platz mit dem System Fibersand. Welche Intension hatten Sie, als Sie die Entscheidung trafen, ihren Trainingsplatz mit künstlichen Elementen zu verstärken?

Christoph Vorhoff: Wir haben die Entscheidung damals im Team getroffen, mit der Sportlichen Abteilung und der Infrastruktur. Wir haben aktuell für die Lizenzspieler Abteilung nur eingeschränkte Möglichkeiten, was die Flächen angeht. Zudem ist nur ein Platz, der jetzt umgebaute, mit einer Heizung versehen. Um auch im Winter die Trainingsbedingungen hoch halten zu können mussten wir etwas verändern. Wir hatten auf einer Athletik Fläche schon seit zwei Jahren einen Test mit einem Hybridrasen laufen. Die Erfahrungswerte waren gut.

rasenwelt:  Warum haben Sie sich für dieses System entschieden?

Christoph Vorhoff: Die bereits angesprochene Athletik Testfläche war ein Hybridsystem mit einer Matte von Eurogreen. Allerdings war den Spielern der Untergrund gerade im Sommer viel zu hart. Das Fibersand System ist ebenfalls sehr stabil und ebenflächig, kann aber auch leichter mechanisch gelockert und bearbeitet werden. Gerade die Belastbarkeit und Ebenflächigkeit sind für mich ein sehr wichtiger Faktor. Zudem waren die Erfahrungswerte meiner Kollegen aus der Bundesliga mit diesem System durchwegs positiv.

rasenwelt: Was waren anfangs bei der Umsetzung des Projektes die größten Herausforderungen?

Christoph Vorhoff: Auch aus Kosten Gründen haben wir den Platz nicht komplett neu gebaut, sondern die bestehende Rasentragschicht wurde wiederverwendet. Was bedeutet, dass wir zunächst 5 cm abgefräst, dann das konzentrierte Fibersand Material aufgebracht und schließlich eingearbeitet haben. Für alle im Verein ist diese Technologie und auch der Einbauprozeß Neuland gewesen. Dementsprechend eine große und unbekannte Herausforderung. Zudem hatten wir in der Vergangenheit immer etwas Probleme mit dem Wasser. Im Zuge des Umbaus haben wir an den wichtigen Stellen zusätzliche Drainage Rohre gelegt.

rasenwelt: Nun haben Sie den Platz bereits seit einigen Monaten im Einsatz. Wie ist denn das Feedback der Spieler und Trainer?

Christoph Vorhoff:Die Rückmeldung von Spieler und Trainer sind durchwegs positiv. Teilweise sogar begeistert. Sogar unser Trainer ist trotz der hohen Belastung von der Ebenflächigkeit angetan. Er sieht unsere Mannschaft und seine Spielweise als sehr technisch an. Durch diese Bedingungen kann er seine Spielqualität und seine technisch hohen Ansprüche ideal umsetzen. Trotzdem sind wir alle gespannt ob wir diese Qualität nun auch über den Winter so hochhalten können.

rasenwelt:  Sie sind beim VfL Bochum für das Greenkeeping verantwortlich. Hat sich für Sie und ihr Team etwas in der täglichen Arbeit verändert?

Christoph Vorhoff: Was mich stark überrascht und beeindruckt hat, ist die Arbeit nach einer Einheit. Die Spielschäden sind minimal. Dadurch ist das Nacharbeiten deutlich weniger und schneller. Was auch zu weniger Verletzungen der Grasnarbe führt. Wir müssen beispielsweise keine Stöpsel mehr setzen. Wichtig hingegen ist das Gefühl für den Platz zu bekommen, das Thema Düngung und Nachsaat zum richtigen Zeitpunkt zu machen. Dank der Unterstützung und Erfahrungswerte der anderen Greenkeeper bekommt man da ein immer besseres Gespür für. Des Weiteren müssen wir immer dran sein, dass sich wenig Organik bildet. Aber auch das bekommt man mit der Zeit in den Griff.

rasenwelt:  Was erwarten Sie sich von dem System für die Zukunft? Und speziell die kommenden Monate?

Christoph Vorhoff: Eigentlich genau die Punkte, wie ich schon angeführt habe. Dass wir vor allem im Winter eine hohe Qualität der Plätze für die Lizenzspielerabteilung bieten können. Zudem würde ich mir wünschen, dass wir dann auch Test- und Vorbereitungsspiele auf diesem Platz in der Wintervorbereitung ausführen werden.

rasenwelt:  Wird der Platz gerade im Winter mittels besonderer Maßnahmen vor der Witterung geschützt?

Christoph Vorhoff: Die Vorbereitung für den Winter beginnt schon im September. Aber das ist unabhängig ob der Platz verstärkt ist oder nicht. Bereits da müssen wir schauen, dass keine Krankheiten im Rasen sind, die Narbendichte hoch und die Nährstoffversorgung ausreichend ist. Zudem arbeiten wir punktuell mit Folien und natürlich der Rasenheizung.

rasenwelt: Macht das System auch im Amateursport bzw. für Kommunen Sinn?

Christoph Vorhoff: Das kann ich mir durchaus vorstellen. Gerade durch die hohe Stabilität und Belastbarkeit dieser Systeme, müssen die Flächen nicht schon so früh gesperrt werden. Was ich je nach Spielklasse sehr interessant finde. Wir denken auch darüber nach, im Nachwuchsleistungszentrum damit zu arbeiten. Damit der Nachwuchs weniger auf Kunstrasen und mehr auf Naturrasen spielen kann. Für mich ist der Kosten-Nutzen-Faktor bei diesen Systemen sehr interessant. Natürlich sind die Anschaffungskosten etwas höher, allerdings in Relation zu der anschließenden Pflege und der Belastbarkeit absolut sinnvoll.

rasenwelt:  Wie ist Ihre persönliche Bilanz, wo wird sich das Thema der verstärkten Natur- und Hybridrasen Systeme hin entwickeln?

Christoph Vorhoff: Das Thema wird ja weitreichend und häufig diskutiert. Ich lese auch immer wieder von Vereinen die überhaupt nicht damit zufrieden sind. Allerdings ist es meines Erachtens wichtig, genau zu prüfen, welches System zu welchem Standort passt. Hybridrasen ist ja kein einzelnes Produkt, sondern eine Kategorie mit mehreren unterschiedlichen Bauweisen.

Mit Sicherheit wird das Thema auch in Zukunft interessant sein und es bleibt spannend wohin die Entwicklung der Produkte geht. Gerade auf den Trainingsflächen nicht nur im Profisport, wird sich die Verstärkung von Rasenflächen etablieren. Meines Erachtens ist die richtige Kombination im Trainingszentrum von Naturrasen, Kunstrasen und verstärkten Natur-/ Hybridrasen Systemen der richtige Weg.

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