Multifunktionsarenen – Die Veltins Arena

Nach Spielende ist in vielen Fußballstadien noch lange nicht Schluss. Denn die Vermarktung der modernen „Multifunktions-Arenen“ abseits des Fußballs wird für die Betreiber in der heutigen Zeit immer wichtiger. Über das klassische Fußballgeschäft erzielen die meisten Stadionbetreiber ca. 85 Prozent der Einkünfte. Im Hinblick auf den restlichen Umsatz sind der Kreativität allerdings keine Grenzen gesetzt. Neben der Ausrichtung anderer Sportarten sind es häufig große Konzerte aber auch Firmenevents, Werbeveranstaltungen, Weihnachtsfeiern, Hauptversammlungen oder Abi-Bälle, die den Betreibern weitere Einnahmen bescheren.

Einer dieser Hightech Tempel ist ohne Zweifel die VELTINS-Arena in Gelsenkirchen. Die Betreiber stufen das von der UEFA als 5 Sterne gerankte Stadion aufgrund der einzigartig gebotenen Programmvielfalt, den technischen Superlativen und der mitreißenden Atmosphäre gar als die beeindruckendste Multifunktionsarena Europas ein. Tatsächlich macht es die verbaute Technik möglich, die Arena innerhalb weniger Stunden für nahezu jedes Event umzubauen, frei nach dem Motto, heute noch größte Open-Air-Bühne, morgen schon wieder Heimspielstätte des FC Schalke 04, übermorgen Skipiste, Messegelände, Opernhaus, Eisstadion oder Boxtempel.

Möglich wird dies u.a. dadurch, dass der Teil des Daches direkt über dem Spielfeld geöffnet werden kann. Gerade einmal 30 Minuten dauert es, bis so aus dem Open-Air-Stadion eine Allwetterhalle wird. Dazu lassen sich die beiden verschiebbaren Flügel des Dachs komplett öffnen oder schließen.  Bei Abendveranstaltungen sorgen Tribünenbeleuchtung und 212 Flutlichter für reichlich Licht. Von der cleveren Konstruktion profitieren aber nicht nur die Zuschauer. Das Cabriodach bietet für Veranstalter Planungssicherheit bei jedem Wetter, und das an 365 Tagen im Jahr. Ein weiteres Highlight ist der herausfahrbare Stadionrasen. Dieser kann mittels Hydraulik in einem ca. 6 bis 8-stündigen

Veltins Arena von Innen

Die Veltins Arena von innen, ohne Rasenfläche.

Vorgang auf Schienen komplett aus dem Stadion in einer Rasenwanne unterhalb der Südkurve herausgefahren werden. Damit das reibungslos funktioniert, sind in einem Sekundärboden teflonbeschichtete Stahlschienen eingelassen, auf denen die Wanne mit der Rasenfläche gleiten kann. Vier hydraulische Pressen sorgen für den nötigen Antrieb, der die Wanne pro Bewegung rund einen halben Meter voranschiebt. Das kostet dann zwar pro Ein- oder Auswärtsschub ca. 14.000,00 €, spart den Veranstalter allerdings z.B. auch so manchen Rasentausch nach Konzerten oder anderen Großveranstaltungen im Innenraum der Arena. Und so ein „neuer Rasen“ kann dann je nach Qualität auch schon einmal bis zu 160.000,00€ kosten. Und ganz nebenbei bemerkt wachsen die Rasengräser der vorhandenen Sode unter freiem Himmel natürlich deutlich vitaler als innerhalb des Stadions, wo Sonneneinstrahlung und Luftbewegung alles andere als optimal sind.

Technisch möglich wird diese Funktion u.a. dadurch, dass die komplette Südtribüne freischwebend wie eine Brücke über dem Durchlass des Schienensystems gebaut wurde. Dank einer komplexen Metallkonstruktion kann ein Teil des Unterrangs umgeklappt und unter den Oberrang geschoben werden. Damit wird die Tribüne dann mittels hydraulischem Antrieb auf einer Länge von 16 Metern nach hinten gefahren. Dieser Vorgang dauert rund 16 Minuten und schafft Platz für 5.000 zusätzliche Besucher.

Ein Novum bei Fertigstellung der Arena im Jahr 2001 war auch der 29 Tonnen schwere Videowürfel. Er scheint in ca. 25 Meter Höhe über dem Anstoßkreis in der Arena zu schweben und bildet das mediale Herzstück der Arena. Vier Bildschirme mit einer Größe von jeweils knapp 36 Quadratmeter garantieren gestochen scharfe Bilder in einer brillanten Auflösung. Der Bildbereich von 160 Grad bietet den Zuschauern beste Sicht aus nahezu jeder Perspektive. Zusätzlich zum Videowürfel übertragen 470 TV-Monitore alle Veranstaltungen in nahezu jeden Winkel der Arena.

In der Saison 02/03 gelang es Oliver Kahn als erstem Spieler den Videowürfel aus dem Spiel heraus zu treffen. Daraufhin gab es ebenso erstmals in der Bundesligageschichte einen Schiedsrichterball aufgrund eines Anzeigetafeltreffers. Daneben gibt es noch viele weitere technische Details und Besonderheiten, die sich unter dem Arena-Dach verbergen und das Stadion zu einer der modernsten Veranstaltungsstätten Europas macht. So ist die Nordkurve während der Heimspiele eine Stehplatztribüne. Diese lässt sich aber bei anderen Veranstaltungen problemlos zu einer reinen Sitzplatztribüne umbauen.

Ein Unikum ist auch die 5000m lange Bierpipeline, die extra für die Veltins-Arena entwickelt wurde. Die Zahlung von Getränken und Speisen erfolgt Bargeldlos und seit 2015 verfügt die Arena über ein kostenloses WLAN. Elektronische Zugangskontrollen machen das Vorzeigen einer Eintrittskarte mittlerweile überflüssig. Der Zugang zur Arena erfolgt bereits vollautomatisch. An sechs Eingangsbereichen gelangen die Besucher durch elektronische Drehkreuze in die Arena. Über die auf den Eintrittskarten angebrachten Strichcodes regeln sie automatisch den Zugang zum richtigen Block. Kartenfälschungen sowie doppelter Einlass auf eine Karte sind somit ausgeschlossen.

Auch Hospitality & Business wird in der Arena großgeschrieben. Ob Geschäftstreffen, Seminar, Hochzeit oder Kleinmesse – das Stadion bietet Räumlichkeiten im passenden Ambiente für jeden Anlass.

Daten und Fakten zur Veltins Arena

Kapazität Fußball

62.000

Kapazität Konzerte

79.000

Eröffnung

13. August 2001

Architekten

Günter Kus

Mannschaften

FC Schalke 04

Kosten

291 Millionen Euro

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