EM2016 Halbfinale – Hier treffen Jogis Jungs auf Frankreich

„Stade Vélodrome“ Marseille: Ein traditionsreiche Arena jetzt mit Dach über dem Kopf

Das „Stade Vélodrome“ ist die Heimstätte von Olympique Marseille und mit einem Fassungsvermögen von 67.000 Plätzen das größte Vereinsstadion Frankreichs. Ursprünglich war für die Spielstätte charakteristisch, dass die Zuschauer bei Wind und Wetter ungeschützt waren, das hat sich allerdings bei der letzten Renovierung geändert, die 2014 abgeschlossen wurde. Seitdem haben alle im Stadion ein Dach über dem Kopf – ein sehr markantes in leicht geschwungener Form, das im Stadtbild Marseilles herausragt.

Der eher ungewöhnliche Name für ein Fußballstadion geht auf die frühe Phase nach seiner Erbauung zurück. 1937 befand sich eine Radrennbahn zwischen Spielfläche und Zuschauerraum, in dem damals 30.000 Menschen Platz fanden. Zudem wurde die Arena einstmals auch für viele andere Sportarten genutzt, darunter Leichtathletik, Rugby, Boxen, Tennis, Hockey. Selbst Motorsport-Events fanden hier statt. Das änderte sich aber nach Umbaumaßnahmen 1985, im Zuge derer auch die Radrennbahn endgültig entfernt wurde. Eine Sportart ist hier aber neben dem Fußball weiterhin beheimatet: Die französische Rugby-Nationalmannschaft trägt in Marseille oftmals ihre Heimspiele aus.

Marseille hat Erfahrung mit großen Turnieren: Neben der Weltmeisterschaft 1938, ein Jahr nach der Eröffnung des „Vélodromes“, war die zweitgrößte Stadt Frankreichs auch Spielort bei der WM 1998 sowie den Europameisterschaften 1960 und 1984. Für die jüngste Modernisierung der Arena gab es zwischenzeitlich sogar Pläne für eine Erweiterung auf 80.000 Plätze. Aufgrund der (zu) hohen Baukosten wurde dieser Gedanke aber wieder schnell verworfen. Die Umbau- und Sanierungskosten sind allerdings auch so mit 268 Millionen Euro nicht gerade gering ausgefallen.

Eine Besonderheit bietet das Stadion in der Benennung der einzelnen Tribünen: Die Nordkurve trägt den Namen von Patrice de Peretti, einem enthusiastischen L’OM-Fan. Peretti war dafür bekannt, sein Team stets „oben ohne“ anzufeuern, ganz gleich, wie kalt es auch war. 2000 starb Peretti im Alter von nur 28 Jahren an einem Aneurysma. Das neue, überdachte Stadion konnte er also nicht mehr erleben – dafür strömen die Marseille-Anhänger heute auf ‚seine‘ Tribüne.

Im Laufe des Turniers 2016 wird das „Vélodrome“ sechs Partien als Fußballbühne dienen: Neben England tritt auch Gastgeber Frankreich in der Vorrunde hier an – Gegner am 15. Juni ist dann EM-Neuling Albanien. Außerdem finden hier vier weitere Vorrundenspiele sowie ein Viertel- und ein Halbfinale statt. Auch für Deutschland könnte es also bei erfolgreichem Abschneiden noch zum Spielort werden. Gespielt wird auch hier auf einem herkömmlichen Platz mit einer Grasnarbe aus 100% Naturrasen.

Write a Comment

view all comments

Only registered users can comment.