Die richtige Anwendung von Herbiziden – Glyphosat

Glyphosat ist einer der effektivsten und weitverbreitetsten aktiven Wirkstoffe zur Bekämpfung von Unkräutern. Eine bessere Kenntnis über das Wachstum von Unkräutern und die Wirkungsweise von Herbiziden führt zu einer effektiveren Wirkung der eingesetzten Produkte. Der steigende Anspruch an die Qualitäten von Grünflächen und Umfelder von Rasenfunktionsflächen sowie unvorhersehbare extreme Witterungsbedingungen können dazu führen, dass der Einsatz von Herbiziden zum falschen Zeitpunkt erfolgt. Das zeigt sich dann in den meisten Fällen in einer deutlich ineffektiveren Wirkung.

Wirkungsweise von Glyphosat

Nesseln Glyphosatbehandlung

Nesseln 2 Wochen (oben) und 4 Wochen (unten) nach Glyphosatanwendung

Glyphosat ist ein systemischer Wirkstoff der über die Blätter der Pflanzen aufgenommen wird. Glyphosat hemmt ein bestimmtes, für den Stoffwechsel der meisten Pflanzen erforderliches Enzym (EPSP-Synthetase). Dieses Enzym wird zur Herstellung von lebenswichtigen aromatischen Aminosäuren benötigt. Können diese infolge der Einwirkung von Glyphosat nicht gebildet werden, stellt die Pflanze das Wachstum ein und stirbt nach drei bis sieben Tagen ab. Bevor das Glyphosat wirken kann, muss es zunächst von der Pflanze aufgenommen werden und dann innerhalb der Pflanze über die Leitungsbahnen (Phloem) zu den sogenannten Wachstumspunkten in den Blättern und Wurzeln transportiert werden, in denen die Bildung der aromatischen Aminosäuren erfolgt.

Die Wirkung über den Boden ist sehr gering, eine Aufnahme über die Wurzeln findet nicht statt. Abgesehen von der Möglichkeit, das Glyphosat auch direkt in den Stängel der Pflanze zu injizieren hängt eine effektive Wirkung ganz entscheidend von der Aufnahme über gesunde Blätter ab.

Warum eine Unkrautbekämpfung schief gehen kann

Es gibt viele Faktoren die einen Einfluss auf die effektive Bekämpfung von Unkräutern haben, so z.B. die Qualität des eingesetzten Wirkstoffes, die Spritzausrüstung, vorliegende Witterungsbedingungen und das Wachstum der zu bekämpfenden Unkräuter. Eine optimale Wirkung wird beim Einsatz von Glyphosat nur dann erreicht, wenn eine ausreichende Dosis des aktiven Wirkstoffes die Wachstumspunkte innerhalb der Pflanze erreicht. Aus diesem Grund ist auch die Beachtung der Anwendungshinweise auf dem Produktetikett von ganz entscheidender Bedeutung. Unbefriedigende Behandlungsergebnisse treten im Falle von Glyphosat hauptsächlich aus zwei Gründen auf. Entweder gelangt nicht genügend aktiver Wirkstoff auf die Blätter der Pflanze oder es wird nicht genügend Glyphosat innerhalb der Pflanze zu den Wachstumspunkten transportiert.

Ein dritter Grund kann die Ausbildung von Resistenzen gegenüber des Glyphosates sein. Auch wenn das theoretisch möglich ist, so ist dies eher unwahrscheinlich weil laut Hersteller noch kein Unkraut eine solche Resistenz entwickelt hat. Einer der häufigsten Gründe für die Ausbildung einer Resistenz ist die kontinuierliche Anwendung desselben Wirkstoffes in einer nicht ausreichenden Konzentration. Daher ist die Anwendung von Glyphosat zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Konzentration eine gute Strategie im Hinblick auf die Vermeidung des Auftretens von Resistenzen.

Wichtigkeit der Wachstumsphase der Pflanzen

Typischer Unkrautbefall

Typischer Unkrautbefall

Bei jeder Pflanze verändert sich während der Wachstumsphasen und über die Lebensdauer die Aktivität des Zuckertransportes innerhalb der Leitungsbahnen. Da das Glyphosat denselben Transportweg nutzt wie der Zucker, nämlich das Phloem, hängt auch der Transport des aktiven Wirkstoffes von der Wachstumsphase der Pflanze ab. Eine Behandlung während der Wachstumsphase im Frühjahr unmittelbar vor der Blütenbildung bedeutet einen effektiven Transport des Glyphosats zu den Wachstumspunkten in den sich entwickelnden Trieben. Andererseits erfolgt in dieser Wachstumsphase eher ein geringerer Transport des aktiven Wirkstoffes in untere Pflanzenteile.

Diesen Effekt kann man z.B. recht gut bei der Behandlung des Japanischen Staudenknöterichs, aber auch bei Weidenröschen, Ackerkratzdistel, Brennnessel, Dornensträuchern, Farnkraut oder Weidelgräsern beobachten. Sobald die Blütenbildung abgeschlossen ist, ist der nächste pflanzenphysiologische Vorgang z.B. bei Weidelgräsern der Transport der Zuckerstoffe in das Speicherorgan, die Wurzel. Eine Anwendung in dieser Phase fördert den effektiven Transport des aktiven Wirkstoffes in die Wurzel und damit eine nachhaltige Wirkung.

Vermeiden Sie eine zu frühe Behandlung von mehrjährigen Pflanzen

Oftmals werden Unkräutern zu früh im Jahr behandelt weil die Angst besteht, dass sich nach der Samenbildung der Bestand stark ausbilden wird. Gute Beispiel hierfür sind Riesenbärenklau und Distelarten. Diese Angst ist unbegründet, denn die Samen benötigen noch einige Wochen nach der Blüte bis zur Reifung. Eine Anwendung von Glyphosat vor dieser Samenreife ist ausreichend, da letztere dann immer noch nicht keimfähig sind. Unkrautbekämpfungsprogramme die eine zeitige Frühjahrsanwendung beinhalten, wirken sich ganz gut auf die Unterdrückung von mehrjährigen Unkräutern aus, erfordern aber zur völligen Bekämpfung meist eine zweite Spritzung im Jahr.

Optimale Anwendung

Es sind maßgeblich drei Faktoren, die eine effektive Bekämpfung der Unkräuter beeinflussen, die Pflanze, das Klima und die Art und Weise der Applikation.

Pflanzenfaktoren

Es gibt Pflanzenarten wie z.B. Weißklee, Schachtelhalm oder Efeu, die auf das Glyphosat weniger gut ansprechen. Ursache hierfür können unter anderem Wachsschichten oder Blatthaare in Form einer physischen Barriere sein. Ursache kann aber auch ein suboptimales Wachstum sein, was zur Ausbildung nur kleiner Blätter führt. Die Pflanzenarten unterscheiden sich zusätzlich in ihrer Reaktionszeit auf eine Behandlung mit Glyphosat. Am deutlichsten wird die schnelle Reaktionszeit bei breitblättrigen Pflanzen im Vergleich zu der deutlich langsameren Reaktionszeiten bei Gräsern.

Resistenzen

Von einer Resistenz einer Pflanze gegenüber Glyphosat spricht man dann, wenn die Übliche Dosis des aktiven Wirkstoffes bei der betroffenen Pflanze keine Wirkung mehr zeugt und dieser Effekt an die Nachkommen dieser Pflanze vererbt wird. Dieser Fall tritt jedoch sehr selten auf. Weltweit betrifft dies 15 Pflanzenarten, allerdings keine in Deutschland. Aber hier soll nichts beschönigt werden sondern die Nutzer müssen sich einer solchen Gefahr bewusst sein. Speziell wenn sie immer wieder nur das Glyphosat zur Bekämpfung der Unkräuter nutzen und keinerlei andere Strategien anwenden. Die Gefahr einer Resistenzbildung ist besonders hoch wenn das Produkt zu ungünstigen Zeiten eingesetzt wird.

Resistenz ist nicht dasselbe wie eine Toleranz, bei der einige Arten den Wirkstoff aufgrund bestehender Wachsschichten auf den Blättern nicht optimal aufnehmen und sich deshalb keine optimale Wirkung entfalten kann. Aber im Unterschied zu resistenten Pflanzen zeigt der aktive Wirkstoff bei einer solchen Toleranz eine gute Wirkung, wenn er direkt in den Stängel injiziert wird.

Wachstumsphase und Anwendungstiming

Eine Glyphosat Behandlung hat nur einen Effekt auf Pflanzen, die zum Zeitpunkt der Applikation auch existent sind. Eine Anwendung hat keinen Effekt auf Saatgut, das erst nach der Ausbringung keimt. Der Anwender sollte sich stets davon überzeugen dass zu behandelnde Unkräuter auch grün sind und definitiv Wachstum vorherrscht. Jährliche Unkräuter sollten bei der Anwendung mindestens ein komplett ausgebildetes Blätterpaar aufweisen und Gräser sollten mindestens 5 cm gewachsen sein.

Aktivität / Stress

Ein reduzierter Stoffwechsel führt zu einem verringerten Transport des aktiven Wirkstoffes in den Leitungsbahnen hin zu den Wachstumspunkten der Pflanze. Dieser Umstand hat eine schlechte Wirkung zur Folge. Stress der zu einem eingeschränkten Stoffwechsel führt kann u. a. durch extreme Witterungsbedingungen, Staunässe, Trockenheit oder das Vorliegen von Pflanzenkrankheiten auftreten. An Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen bilden Pflanzen eine dickere Wachsschicht auf den Blättern aus um bei heißer Witterung eine zu hohe Verdunstung zu vermeiden. Zusätzlich lagert sich Staub auf der Blattoberfläche an, der eine zusätzliche physische Barriere im Hinblick auf die Aufnahme des aktiven Wirkstoffes darstellt. Auch Krankheiten wie Mehltau, Rost oder der Befall durch Blattläuse beeinträchtigt durch Zerstörung der Blattoberfläche die effektive Aufnahme des Wirkstoffes.

Klimafaktor – Temperatur

Temperaturen von 15-25°C fördern die Effektivität der Wirkung. Auch bei geringen Temperaturen und leichtem Frost erzielt man immer noch eine moderate Wirkung. Eine Anwendung kann auch im November oder Dezember erfolgen, solange es keinen Dauerfrost gibt. Aber in dieser Zeit kann es sein, dass man erst nach 4 Wochen Symptome der Wirkung des Herbizides erkennt.  Bei lang anhaltenden Frösten und dem Übergang der Pflanzen in den Ruhezustand (Dormanz) ist die Aufnahme und die Weiterleitung in der Pflanze stark beeinträchtigt. Aus diesem Grund erzielt man in dieser Zeit auch wenig bis keine Wirkung.  Auch sehr hohe Temperaturen verursachen Stress und reduzieren die Wirkung des Herbizides. Die Pflanzen schließen die Spaltöffnungen und in der Folge ist hierdurch der Transport des Wirkstoffes in der Pflanze beeinträchtigt.
Generell sollte eine Anwendung in der heißesten Zeit des Tages vermieden werden. Hohe Temperaturen kombiniert mit geringen Wassergehalten führen zu einer schnellen Verdunstung der Tropfen auf den Blättern. Es besteht die Gefahr von Verbrennungen und der Transport des aktiven Wirkstoffes in den Leitungsbahnen ist reduziert.

Klimafaktor – Luftfeuchte

Eine hohe Luftfeuchte oder ein leichter Nieselregen beeinträchtigen die Wirkung nicht, solange nicht zu viel Wirkstoff von den Blättern gewaschen wird. Man kann auch am Morgen in den Tau oder bei Nebel spritzen, solange dieser über den Tag wegtrocknet respektive sich lichtet. Generell sollte man nicht abends behandeln wenn das Risiko des Abwaschens durch nächtliche Regenfälle besteht.

Klimafaktor – Niederschlag

Regen vor der Behandlung, und damit nasse Blätter sind kein Problem. Aber Regen unmittelbar nach der Behandlung, der die Aufnahme des Wirkstoffes über die Blätter beeinträchtigt kann die Wirkung um 40-60% reduzieren. Auch die Art des Regens nach einer Anwendung hat einen Einfluss auf die Wirkung. Niederschläge bis 2 mm oder ein leichter Nieselregen haben nur einen leichten Effekt und es bedarf keiner Folgebehandlung. Allerdings haben 4-8 mm frontaler Regen oder auch ein Sturm einen deutlich größeren Einfluss, denn dadurch wird ein Abwaschen verursacht und eine erneute Behandlung wird notwendig sein.

Klimafaktor – Licht

Beste Resultate werden bei einer morgendlichen Behandlung erzielt, wenn die Pflanze im Verlauf des ganzen Tages Photosynthese betreibt bevor der Stoffwechsel abends wieder zur Ruhe kommt.  Schnelle Resultate werden an Tagen mit langer Sonnenscheindauer erzielt. Denn hier ist der Transport der Wirkstoffe innerhalb der Pflanze optimal. Besonders schlechte Wirkung erzielt man bei Applikationen am Abend oder zur Nacht, wenn zudem noch die Gefahr einer Abwaschung durch nächtliche Niederschläge besteht, weil der aktive Wirkstoff noch nicht aufgenommen werden konnte.

Man sollte die behandelten Pflanzen frühestens 5 Tage hinterher abdecken, da dies zur Abschirmung vor dem Sonnenlicht führt und die Stoffwechselaktivität und damit den Transport des Wirkstoffes zu den Wachstumspunkten in der Pflanze beeinträchtigt.

Klimafaktor – Luftbewegung

Eine Anwendung sollte nur bis zur Windstärke 3 (10 km/h) erfolgen. Außerdem sollte die Windrichtung idealer Weise nicht derart sein, das schützenswerte Kulturen von einer Abdrift betroffen sein könnten und Schaden nehmen. Glyphosat ist nicht flüchtig und wird auch bei hohen Temperaturen nicht durch Verdunstung verbracht. Man sollte dennoch eine Anwendung bei invasiven Temperaturen vermeiden, bei denen kalte Luft unter einer warmen Luftschicht eingeschlossen ist. Tröpfchen können sich in dieser Situation unvorhersehbar vom Zielort entfernen.

Anwendungskriterium – Ausbringung

Ausbringung Glyphosat

Ausbringung von Glyphosat mittels Rückenspritze

Hydraulische Feldspritzen können mit einer Aufwandmenge von 80-250L/ha zum Einsatz kommen. Geringere Gesamtvolumina ergeben durchschnittlich bessere Ergebnisse. Ein Ablaufen des Wirkstoffes von den Blättern tritt bei Gesamtausbringmengen von 400L/ha auf. Man sollte stets die Anwendungshinweise der Hersteller auf dem Etikett beachten!

Anwendungskriterium – Volumen/Aufwandmenge Interaktion

Geringe Aufwandmengen führen zu geringen Konzentrationen des aktiven Wirkstoffes sowie der Trägerstoffe. Höhere Aufwandmengen gelöst in großem Wasservolumen (>250L/ha) führen immer noch zu einer geringen Konzentration des Wirkstoffes in den applizierten Wassertropfen. Beide Varianten haben hier speziell bei Verwendung von hartem Wasser einen negativen Einfluss auf die Wirkung. Geringere Wasseraufwandmengen ergeben bessere Resultate, vorausgesetzt es werden die richtigen Spritzdüsen verwendet. Warme Temperaturen in Kombination mit geringen Spritzbrühe Mengen können zu Problemen führen. Zudem verzeiht die Anwendung bei dieser Konstellation keine Fehler. Eine korrekte Kalibrierung der Spritzgeräte ist sehr wichtig.

Anwendungskriterium – Aufwandmengen

Stellen sie stets sicher dass die empfohlene Aufwandmenge in Abhängigkeit zum jeweilig am schwersten zu bekämpfenden Unkraut ausgebracht wird. Wenn alle anderen Faktoren optimal sind, dann können evtl. geringere Aufwandmengen auch ausreichen. Aber unterdosierte Anwendung wird immer zu eingeschränkter Wirkung führen, und dies erst recht, wenn andere Faktoren bei der Spritzung zusätzlich nicht optimal sind.

Anwendungskriterium – Hartes Wasser

In vielen Bereichen ist das Wasser eher hart und enthält einen hohen Gehalt an gelöstem Kalzium- und Magnesiumionen. Diese Ionen können zu einer Festlegung (Inaktivierung) des aktiven Wirkstoffes führen, womit die tatsächlich wirksame Konzentration in der Spritzbrühe verringert wird. Dieser Effekt wird besonders dort sichtbar, wo geringe Aufwandmengen des aktiven Wirkstoffes mit großen Mengen harten Wassers ausgebracht werden.

Schlussfolgerung

Das Wissen um die richtigen Bedingungen im Hinblick auf den idealen Anwendungszeitraum von Glyphosat erhöht die Effektivität der Wirkung und verhindert einen verschwenderischen Umgang mit dem aktiven Wirkstoff und verhindert so alle ungewollten negativen Effekte!

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