Das nachhaltige Konzept BORUSSIA-PARK

Kuriose Spielverläufe, Duelle um den Auf- und Abstieg bis hin zum Europapokal – im BORUSSIA-PARK wurde ein großes Stück Vereinsgeschichte von Borussia Mönchengladbach geschrieben. Seit der Saison 2004/05 bestreitet die Fohlenelf ihre Heimspiele im neuen Stadion. Neben dem Stadion erstreckt sich das gesamte Trainingsgelände samt ausgezeichnetem Nachwuchsleistungszentrum. Bernhard Nießen, als Leiter Stadionbetrieb und Georg Vievers als Leiter Greenkeeping sind maßgeblich für den BORUSSIA -PARK zuständig.

rasenwelt: Borussia Mönchengladbach bereitet sich aktuell auf die neue Saison vor. Die sportliche Zielsetzung für diese Saison ist wieder eine Platzierung die eine Teilnahme für einen internationalen Wettbewerb sichert. Gibt es eine derartige Zielsetzung für die Infrastruktur auch bei Ihnen? Bzw. wie sieht eine klassische Saisonvorbereitung bei Ihnen aus?

Nießen: Die sportlichen Ziele sind für die Entwicklung der Infrastruktur zunächst unerheblich. Die Anforderung an die Infrastruktur ist mehrschichtig und wächst stetig. Grundsätzlich verfolgen wir unverändert unsere alte Vorgabe aus dem Jahr 2002, alle Mannschaften an einem Standort zu trainieren, und das ist der BORUSSIA-PARK. Hier trainieren alle Jugendmannschaften einschließlich der Lizenzmannschaft. Dies ist nicht nur psychologisch für die Nachwuchskicker von Vorteil, da das nächste sportliche Ziel immer auf dem Platz daneben trainiert, sondern auch für alle Trainer ideal, um die Ausbildungsziele zu überprüfen und den Austausch untereinander zu pflegen.

Rasenwelt: Das hört sich durchaus nach einem durchdachten Konzept an!

Nießen: Ein großes Plus im Verein sehe ich in der Struktur und den internen Zielvorgaben. Wenn ich zurück schaue, haben wir uns damals von einem historischen Bökelberg, einer kommunalen Sportanlage mit einem Naturrasenspielfeld und einem Tennenplatz als Trainingsmöglichkeit verabschiedet. Ziel war es ein Stadion mit einem Trainingsgelände zu realisieren in dem wir selbst unsere Vorstellungen einer optimalen Infrastruktur umsetzen können. Wir sind heute einziger Eigentümer des BORUSSIA-PARK und entscheiden selbst – immer mit Blick auf den Sport, um die bestmögliche Ausbildung der Fußballer zu gewährleisten.
Diese interne Voraussetzung ermöglicht uns unabhängig vom sportlichen Erfolg der ersten Mannschaft zu agieren. Somit haben wir unsere alte Zielvorgabe nicht aus den Augen verloren und immer dann den nächsten Schritt gemacht, wenn es auch wirtschaftlich möglich war. Wir haben 2008 und 2011 die Mittel gehabt, um weitere Grundstücke, die an den BORUSSIA-PARK grenzen, zu erwerben. Erst 2012 haben wir dann den nächsten Trainingsplatz bzw. ein kleines Stadion für die U17 und U19 gebaut. In diesem Jahr ist der FohlenCampus im Zentrum des Trainingsgeländes fertigstellt worden. Ein Gebäude mit 1.600 qm Fläche mit weiteren Umkleiden, Büros für die Trainer und Betreuer, Besprechungs- und Fitnessräumen. Im FohlenCampus haben wir auch einen Schwerpunkt für unser Greenkeeping gelegt und eine große Halle mit Werkstatt und weiteren Räumen realisiert.

rasenwelt: Sie haben da ein klares Bild vor Augen was den BORUSSIA-PARK als Gesamtkonzept angeht. Wurde dies auch bereits zu Beginn so strategisch erarbeitet?

Nießen: Natürlich haben wir einen Masterplan für den BORUSSIA-PARK! Dieser wird sukzessive umgesetzt und ist aber auch selbst stetig in der Fortentwicklung. Eine finale Realisierung wird es also nicht geben, aber jede Umsetzung einer Entwicklungsstufe bringt uns qualitativ weiter. Kürzlich haben wir wieder die Zertifizierung der DFL für das Jugendleistungszentrum erhalten, zum Dritten Mal mit der höchsten Auszeichnung. Ein Beurteilungskriterium der Zertifizierung ist der Betrieb und die Infrastruktur, also auch die Spielfelder. Daher ist es auch eine Auszeichnung für den Stadionbetrieb, auf die wir sehr stolz sind und die uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

rasenwelt: Mit Lucien Favre hatten Sie in der Vergangenheit einen Trainer, der sich durchaus mit den Trainings- und Spielflächen beschäftigt hat. Wie sieht es da bei Andre Schubert aus? Und wie funktioniert die Kommunikation zwischen dem Greenkeeping und dem Sport?

Nießen: Die Greenkeeper stehen im engen Kontakt zu den Trainerteams, da generell alle Mannschaften für den Zustand der Plätze mit in der Pflicht stehen. Jeder Spieler und Trainer muss verantwortungsbewusst mit seinem „Arbeitsplatz“ umgehen. Dadurch erhält die Kommunikation zwischen allen Beteiligten einen sehr hohen Stellenwert. Das Greenkeeping steht im engen Austausch mit allen Beteiligten und legt täglich einen Nutzungsplan der Plätze fest. Somit können wir gewährleisten, dass bei immer steigenden Nutzungsstunden die Qualität der Plätze hoch bleibt.

rasenwelt: Dementsprechend haben Sie sich vor ca. 4 Jahren, in 2012 bei 1 ½ Trainingsplätzen für die Hybridrasen Technologie entschieden. Können Sie sich noch an den Entscheidungsprozess erinnern? Und was waren die ausschlaggebenden Gründe?

Nießen: Genau genommen haben wir uns in 2012 für 1 ½ Plätze mit der Hybrid-Technologie entschieden und haben 2013 einen weiteren Platz ausgebaut. Ebenso haben wir Nebenflächen mit Hybridflächen ausgebaut und testen diese durch die Jahreszeiten. Wir wollen mit unserem Greenkeeping neue Wege gehen. Da haben uns die Hybridrasen Technologien in den letzten Jahren voll überzeugt. Die erhöhte Stabilität und Belastbarkeit, sowie die konstante Ebenflächigkeit waren dabei wesentliche Faktoren. Wir konnten die Nutzungsstunden auf den Naturrasenplätzen deutlich erhöhen. Allerdings war der Prozess nicht einfach. Wir mussten auch unsere Spieler und Trainer erst überzeugen von der neuen Platzart. Obwohl wir aufklärend von künstlich verstärkten Naturrasenflächen sprachen, hatten die Spieler immer den klassischen Kunstrasen im Kopf. Sie kannten nur die zwei Platzarten, Natur- oder Kunstrasen. Den Begriff „Hybridrasen“ gab es damals noch gar nicht. Demnach haben wir beispielsweise eine Athletikfläche mit mehr als 3.000 m² gebaut, damit die Mannschaften alle kraftintensiven Einheiten nicht auf dem Spielfeld absolvieren, sondern auf einer Oberfläche, die diese Trainingsbelastung auch aushält. Das schont die Spielfelder.  Wir haben heute mehr als 10 verschiedene Plätze auf dem Trainingsgelände und verfolgen mit unserem Greenkeeping ein klares Ziel:
„Jedes Spielfeld  soll zu jeder Zeit spielbereit sein und die jahreszeitlich bedingt optimalen Verhältnisse aufweisen, und das unter Achtung der vegetativen Eigenschaften.“

rasenwelt: Wo sehen Sie für die Zukunft noch Entwicklungspotenzial in der Verbesserung der Trainingsbedingungen?

Nießen: Um künftig „Fußball spielen“ zu können, gehört heute mehr dazu, als aus einem alten Tennenplatz einen Kunstrasenplatz zu machen und zu meinen, jetzt sind wir modern. Wir sprechen nicht mehr nur von einer Freizeitbeschäftigung sondern von der Ausbildung junger Menschen im Bereich Fußball. Daher verlagert sich ein großer Teil der Arbeit mit den Spielern auf die Zeit abseits des Platzes. Die Trainer müssen immer mehr pädagogisch tätig sein. Es werden Regeln aufgestellt, wir vermitteln Werte an den Spieler, die ihm auf und neben dem Platz hilfreich sind. Wer charakterlich nicht in die Teams passt und nicht mitzieht, der wird keinen Erfolg haben, und sei er noch so ein guter Fußballer. Wir übernehmen keinen Erziehungsauftrag, der bleibt im Verantwortungsbereich der Eltern. Aber die Themen schulische Leistungen, Berufsausbildung, Ernährungsberatung, Internet(-kriminalität) oder psychologische Beratung sind nur einige Themen unter vielen, mit denen wir unsere Fußballer konfrontieren und begleiten. Auch hier muss der Spieler erfolgreich sein.

rasenwelt: Das verspricht Spannung! Vielen Dank für den Einblick in ihre Arbeit und den BORUSSIA-PARK und natürlich viel Erfolg beim Erreichen der sportlichen Ziele.

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