Beim Thema Rasenforschung und USA bekomme ich leuchtende Augen

Interview mit Herr Prof. Thieme Hack

rasenwelt: Sehr geehrter Herr Prof. Thieme Hack, in der Zeit vom 01.03.2013 bis 28.02.2015 hatten Sie das Amt des Studiendekans an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück übernommen. Davor waren Sie maßgeblich am Aufbau und der Entwicklung der Studiengänge Bachelor „Ingenieurwesen im Landschaftsbau“ und „Master im Management im Landschaftsbau“ beteiligt. Was hat Sie denn ursprünglich dazu bewogen, in der grünen Branche beruflich aktiv zu werden, oder anders gefragt, von wem haben Sie Ihren grünen Daumen?

Prof. Thieme Hack: Wie vermutlich bei vielen Unternehmerkindern war das nicht wirklich meine Entscheidung. Eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt als bei mir die Berufsausbildung losgehen sollte Musik studieren. Das wäre aber ziemlich Brotlos bei mir geblieben. Nachdem mein Vater mir einen Ausbildungsplatz in der Baumschule besorgt hatte, habe ich mit sehr großer Freude diesen Beruf ausgeübt. Ich hatte schon im ersten Ausbildungsjahr eigene Vermehrungsbeete angelegt, aus denen in den Jahren ein ansehnlicher Betrieb mit geworden ist.

Nach dem Studium der Landespflege an der Fachhochschule Osnabrück hatte ich aber erkannt, dass Baumschule auf den armen Geestböden keine wirklich gute Idee ist. Direkt nach dem Studium – was aus heutiger Sicht sicher ein Fehler war – bin ich im elterlichen GaLaBau Unternehmen als Ingenieur angefangen und da mein Vater schon älter war, bin ich schon nach zwei Jahren gemeinsam mit meiner Schwester Geschäftsführer geworden. Der Betrieb hatte damals so knapp 50 gewerbliche Mitarbeiter. Ich bin also leidenschaftlicher Landschaftsgärtner, wenn ich auch Baumschule gelernt habe. Nach 11 Jahren im elterlichen Betrieb, konnten mein Vater und ich uns nicht so richtig über die Modalitäten der Nachfolge einigen und ich habe das Unternehmen verlassen. Da ich in der Zeit immer Kontakt zu Prof. Niesel hatte, bin ich irgendwie an der Hochschule Osnabrück gelandet.

Als ich an der Hochschule angefangen habe, lief gerade die Umstellung von Dipl.-Ing. auf Bachelor und Master. Die Struktur der heutigen Studiengänge für den Landschaftsbau hatten die Kollegen Thomas und vor allem  Ziegler erarbeitet. Ich war dann eher am „Finish“ beteiligt.

rasenwelt: An der Hochschule Osnabrück haben Sie einen neuen Dualen Studiengang für das Bauwesen mit einem baubetrieblichen Schwerpunkt und hohem Praxisbezug entwickelt und etabliert. Ihr fachliches Interesse gilt hier u.a. dem Baubetrieb und der technischen, wirtschaftlichen und vertraglichen Abwicklung von Bauprojekten. Das klingt für den Laien im ersten Moment jetzt nicht unbedingt nach Rasen und Sportplatz. Als interessierter Greenkeeper und Platzwart trifft man Sie allerdings immer wieder auf Messen und Fachtagungen, bei denen es maßgeblich um die Ernährung und Pflege von Rasengräsern geht. Welches besondere Interesse haben Sie an der Rasenbranche?

Prof. Thieme Hack: Ja, der Studiengang ist wirklich mein Kind. Da die Hochschule Osnabrück sehr erfolgreich damit ist, für die Betriebe im Landschaftsbau Ingenieure auszubilden und unsere Hochschulleitung sehr gerne Bauingenieure im Portfolio haben wollte, dachte ich, es muss doch möglich sein ein Bauingenieurstudium nach dem Vorbild des Landschaftsbaus in Osnabrück zu etablieren. Um es plakativ zu sagen „suche Pflanze ersetze Statik“. Natürlich war es sehr viel schwieriger, eine duale Ausbildung zum Bauingenieur mit weit über 30 Bauberufen und zwei Ausbildungsträgern – Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer – zu etablieren. Aber der Studiengang läuft super, vielleicht auch weil er so besonders ist. Alle Studierende haben am Ende eine Berufsausbildung, die Gruppe ist mit 25 bis 30 Studenten klein und die baubetrieblichen Inhalte sind so ausgeprägt wie in kaum einem anderen Studiengang im Bauwesen.

Das hat natürlich alles nichts mit Rasen zu tun. Wie Sie schon gesagt haben, vertrete ich an der Hochschule das Lehrgebiet Baubetrieb. Also sehr viel VOB, aber auch Kalkulation, Baustellen-Organisation, Nachtragsmanagement und das ist im Landschaftsbau nicht viel anders als im Hoch-, Tief- und Ingenieurbau.

Das Interesse am Rasen habe ich aus meiner Tätigkeit im elterlichen Betrieb mitgebracht. Mitte der neunziger Jahre sind wir einer Gruppe von Sportplatzunternehmen beigetreten. So bin ich zur Deutschen Rasengesellschaft gekommen und bin dem wirklich spannenden Thema treu geblieben. Auch weil es da viele nette Leute gibt mit denen es Spaß macht zu arbeiten.

rasenwelt: Sie sind u.a. Mitherausgeber der „Fachbibliothek Grün“ im Ulmer Verlag und haben die beratende Schriftleitung der „Neue Landschaft“ im Patzer Verlag inne. Was reizt Sie an diesen Aufgaben?

Prof. Thieme Hack: Es macht Spaß. Mehr ist es eigentlich nicht. Die Herausgeberschaft der Buchreihe ist nicht so aufregend. Der Verlag braucht Menschen die sich in einer Branche auskennen. Die Bücher selber sind schon spannender. Aber auch hier ist es die Arbeit mit den Autoren, die viel Arbeit aber am Ende eben auch Freude bereitet. Bei der Neuen Landschaft ist es auch die Arbeit im Team mit dem Verleger und der Schriftleitung. Und natürlich macht es mir Spaß die Kommentare zu schreiben. Auch wenn manche Menschen nicht verstehen, dass es die Aufgabe eines Kommentars ist, Dinge pointiert darzustellen um eine Diskussion in Gang zu setzen.

rasenwelt: Als offizielles Präsidiumsmitglied der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) haben Sie einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Qualitätssicherung in der Grünen Branche und nehmen auch durch Ihre Tätigkeit in der Lehre Einfluss auf die Qualität der Lehrinhalte, die Sie den Studenten vermitteln. Wie stufen Sie in diesem Zusammenhang die bisher in Deutschland zur Verfügung stehenden Ausbildungsmöglichkeiten für Greenkeeper und Platzwarte im Vergleich zu den USA oder England ein? Ist die Qualität der Ausbildung in Deutschland aus Ihrer Sicht ausreichend?

Prof. Thieme Hack: Es ist ja nett, dass Sie alle meine kleinen Jobs so kennen. Aber glauben Sie mir, vieles ist gar nicht so bedeutend und der Einfluss ist auch meist nicht so groß. Aber beim Thema Rasenforschung und USA bekomme ich natürlich leuchtende Augen. Ich durfte ja nun schon mehrere Universitäten in USA besuchen und ich glaube wir werden in Deutschland niemals das Niveau der Rasenforschung der USA erreichen. Ich kenne ja nur wenige Unis. ´Für mich herausragend ist die Rutgers University in New Jersey, die ich schon mehrmals besuchen konnte. 12 Professoren die sich nur um das Thema Rasen kümmern. Das ist wirklich unglaublich. Ich würde aber auch sagen, manche Universitäten in USA haben die gleiche Rolle wie die beiden Deula-Standorte in Kempen und Freising. Ich finde das wirklich gut, was an diesen Standorten für den Rasen geleistet wird und ich finde auch die Entwicklung positiv. Schauen Sie doch nur in unsere Bundesligastadien. Die Qualität hat sich, Gott sei Dank, enorm verbessert. Ich hatte schon sorge, dass sich irgendwann die FIFA mit dem Thema Kunststoffrasen durchsetzen wird.

Was in Deutschland natürlich fehlt ist universitäre Lehre und vor allem Forschung. Ich denke, Sie spielen auf unser Vorhaben zur Einrichtung einer Stiftungsprofessur an der Hochschule in Osnabrück an. „Nachhaltiges Rasenmanagement – Sustainable Turfgrass Management“ soll das Lehr- und Forschungsgebiet beschreiben. Leider kann ich nicht richtig viel darüber sagen, da wir uns mitten in der Abstimmung mit den Organen der Hochschule befinden. Was ich sagen kann, dass die Deutsche Rasengesellschaft zusammen mit der Hochschule Osnabrück die notwendigen Schritte vorbereiten und ein Konzept zur Vorlage in den Hochschulgremien erarbeiten wird. Es ist vorgesehen, neben der Forschung das Thema Rasen fest in die Lehre eines Masterstudiengangs einzubinden.

rasenwelt: Wo sehen Sie für den Sportplatzbau die größten Herausforderungen in naher Zukunft und welche Rolle spielt für Sie in diesem Zusammenhang der Kunst- und Hybridrasen?

Ich denke, es sind zwei Bereiche die uns im Sportplatzbau beschäftigen werden: Zum einen, und so haben wir es schon in der Stellenbeschreibung zur Rasenprofessur vorgesehen, werden wir uns noch mehr mit den Fragen Natur- und Umweltschutz beschäftigen müssen. Gerade Einschränkungen im Pflanzenschutz verlangen nach neuen Konzepten für hochanspruchsvollen Rasen. Dann müssen wir uns im Bereich Fußball mehr mit den unterschiedlichen Belagsarten und deren Einsatzmöglichkeiten aber auch deren Grenzen, sei es ökonomisch oder ökologisch, auseinandersetzen. Kunststoffrasen einzubauen nur weil es der Nachbarverein auch hat ist kein abgewogener Entscheidungsprozess. Kunststoffrasen hat als Belag für Fußball seine Berechtigung und ist sehr häufig viel sinnvoller als Sportrasen, wird aber zurzeit viel zu häufig ohne Abwägung von Entscheidungskriterien verwendet.

Wenn ich wüsste wie sich der momentane „Hype“ um Hybridrasen entwickelt, würde ich wahrscheinlich nicht als Hochschullehrer arbeiten. Wir bearbeiten zurzeit an unserem Institut ILOS (Institut für Landschaftsbau, Sportfreianlagen und Grünflächen)  sogar mehrere Projekte zu diesem Thema. Manche Systeme begeistern mich schon. Ob es sich aber am Markt durchsetzen wird weiß ich nicht. Zumal das Thema ja nicht neu ist. Die meisten Patente sind schon ausgelaufen. Die Systeme teilweiseals schon über 25 Jahre alt.

rasenwelt: Was würden Sie den Betreibern von Sportanlagen als wichtigsten Tipp mit auf den Weg geben?

Prof. Thieme Hack: Das ist ja fast eine philosophische Frage. Für Fußball im Breitensport würde ich mir mehr Objektivität bei der Belagsauswahl wünschen. Leider ist das Thema sehr von der Industrie getragen. Für die Stadien würde ich den Stadion-Greenkeepern mehr Macht gegenüber den Betreibern wünschen, damit wir noch besseren Rasen sehen können.

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