Augusta National – das Wimbledon des Golfs

Wie Wimbledon für das Tennis, ist der Augusta National Golf Club der heilige Rasen des Golfsports. Im Jahre 1932 gegründet genießt dieser Golfclub einen Status, welcher in Sachen Exklusivität und Mythos seinesgleichen sucht. Offizielle Informationen über den Golfclub gibt es praktisch keine, insbesondere die maximal 300 Mitglieder werden konsequent abgeschirmt. Man sagt das die Kosten für eine Jahresmitgliedschaft bei rund 50.000 USD liegen. Von einem offiziellen Aufnahme- oder Bewerbungsprozess ist nichts bekannt. Eine Einladung zur Mitgliedschaft werde nicht durch einen Telefonanruf oder Brief übermittelt, sondern durch das kommentarlose Zusenden der Rechnung über den Mitgliedsbeitrag.

Im Hinblick auf die Platzvorbereitung für das Masters wird natürlich auch nichts dem Zufall überlassen. Generell kümmern sich bestimmte Greenkeeper nur um bestimmte Platzbereiche. So will man sicherstellen, dass die Qualität der Grüns und anderer Spielbereiche so optimal wie möglich ist. Jedes Team kennt seine Grüns quasi in und auswendig.

Hat man als Greenkeeper das Glück und bekommt eine Stelle am Augusta National Golf Club, dann durchläuft man ein spezielles Training. Dies beginnt mit einer Art Eingewöhnungsphase, in welcher Neulingen behutsam gezeigt wird, wie sich die Verantwortlichen das Arbeiten auf dem Golfplatz vorstellen. Nach einigen Wochen der Einweisung in allgemeine Pflegearbeiten wird man dann der sogenannten „Greens Care“ zugeteilt. Das bedeutet man wird für die regelmäßige Pflege zweier ausgesuchter Grüns eingeteilt und ist für die tägliche Vorbereitung dieser Spielelemente verantwortlich. Anfallende Arbeiten sind hierbei das Mähen nach Vorgabe des leitenden Greenkeepers, das Harken der Bunker, das Entfernen von Poa annua und Unkräutern, das Prüfen der Sandtiefe und das Entfernen von Laub aus dem Bereich der das Spielelement umgebenden Umfelder.

Mit diesen Arbeiten ist man an drei von Sieben Vormittagen in der sieben Tage Woche beschäftigt. An den anderen Tagen wird man für allgemeine Platzarbeiten eingeteilt.

Hat man sich in seiner Arbeit bewährt dann wird einem der Aufgabenbereich „Hole Care“ zugewiesen. Das beinhalted die tägliche Pflege der zugewiesenen Grüns, also die „Greens Care“. Zusätzlich trägt man aber auch die Verantwortung für die korrekte Durchführung und Qualität dieser Arbeiten. Des Weiteren ist man angehalten mit offenen Augen über die Spielbereiche zu wachen und alles in die Wege zu leiten, was für die Grüns von Vorteil ist. Damit steigt die Verantwortung um ein gehöriges Maß. Man ist in dieser Phase bereits in einer Art Führungsposition und trägt die Verantwortung für seinen eigenen kleinen Golfplatz. Das ist die Art und Weise, wie in Augusta exzellente Platzqualitäten erreicht werden.

Die spezielle Vorbereitung auf das Masters beginnt jeweils im Dezember zuvor und es wird ein immenser Aufwand betrieben, um den weltbesten Turnier Standard zu gewährleisten.

Der Platz hat einige Besonderheiten. So gibt es z.B. nur sehr wenige Bunker. Rough‘s gibt es auf dem Platz überhaupt nicht. Typisch sind dagegen breite von Kiefern gesäumte Fairways und ein hügeliges Terrain mit unglaublich welligen Grüns. Die wiederum sind bekannt dafür, zu den schnellsten Grüns der Welt zu gehören.

Doch nicht nur Spielbahnen und Grüns werden in einen Top-Zustand versetzt, sondern auch die vielen Blumen und Anpflanzungen werden penibel gepflegt. Jede Spielbahn ist nach einem speziellen Gewächs benannt, das man auf dieser dann auch findet. Während der Vorbereitungen zum Turnier ist der Platz auch für die 300 Mitglieder für eine gewisse Zeit komplett gesperrt.

Zur Turniervorbereitung gehört eine Intensivierung der Schnitthäufigkeit und die kontinuierliche Verringerung der Schnittlänge. Mit zunehmenden Temperaturen werden die Grüns penibel mit der Hand gewässert. Es sind Platzarbeiter ausschließlich mit der Bewässerung betraut, um jeglichen Trockenstress zu vermeiden. Was die Grünsqualität angeht wird quasi jede erdenkliche Schwachstelle beseitigt und das ausgegebene Ziel ist ganz klar Perfektion. Hierbei zahlt sich aus, dass die einzelnen Teams die jeweiligen Grüns wie ihre Westentasche kennen.

Bereits im Januar wird festgelegt, wer welche Aufgaben im Greenkeeping während der Turnierwoche übernimmt. Die Vielzahl der zusätzlichen freiwilligen Helfer im Greenkeeping, die aus aller Welt kommen, werden am Sonnabend vor dem Turnier eingewiesen. Der darauffolgende Montag und Dienstag werden auch als Turniertag betitelt, denn bereits an diesen Tagen wird die Pflege der Spielbereiche zur Übung bereits mit demselben Standard durchgeführt wie an den eigentlichen Turniertagen. Unmittelbar nach dem Mähen der Grüns wird die Grünsgeschwindigkeit gemessen. Passt diese nicht wird solange verbessert, bis es stimmt.

Jedes Grün in Augusta wir individuell nach seinen jeweiligen Bedürfnissen gepflegt. Entscheidungen werden täglich aufgrund der Wettervorhersage und der Optik der Grasnarbe am Morgen getroffen. Zusätzlich wird die Grünsperformance der vergangenen 2-3 Tage bei der Maßnahmenplanung berücksichtigt. Einige Grüns verfügen über eine Unterboden-Kühlung, bei anderen wir mit Zelten zur Beschattung gearbeitet.

Auch Im Vergleich zu anderen PGA Majors ist beim Masters alles etwas anders. Die sonst üblichen Sponsoren-Zelte sucht man vergeblich auf dem Gelände des Augusta National Golf Club. Es gibt strikte Begrenzungen für Werbeunterbrechungen und keinen Titelsponsor. Denn Geld ist genügend vorhanden. Durch den Kult-Status des Masters hält man auch an Werten und Tradition fest. Seit Jahren stehen die Stühle vor dem Clubhaus an derselben Stelle. Und diese werden trotz steigendem Andrang nicht mehr. Ebenfalls zur Tradition gehört, dass im Vorfeld des Masters der Titelverteidiger das sogenannte Champions Dinner ausrichtet, zu dem alle ehemaligen Masters-Sieger eingeladen sind. Ben Hogan führte die Tradition 1952 ein.

Neben dem Green Jacket erhält der Gewinner des Turniers eine Goldmedaille und eine Replik des Clubhauses in Silber. Zusätzlich erwirbt er sich Einladungen in den kommenden fünf Jahren für die anderen drei Majors und die Players Championship, sowie eine fünfjährige Teilnahmeberechtigung bei der PGA Tour. Der Gewinner darf zudem das Menü am „Champions‘ Dinner“ im nächsten Jahr bestimmen. Ausländische Gewinner präsentieren meist Delikatessen aus ihrer Heimat: Bernhard Langer aus Deutschland brachte 1986 Sauerbraten mit. Bei den diesjährigen 80. Master war Langer auch dabei. Der 58-Jährige, der das erste Major des Jahres bereits zweimal gewonnen hatte (1985 und 1993) und in diesem Jahr sensationell als Dritter auf die letzte Runde gegangen war, verbuchte bei dieser leider eine 79 und beendete das Turnier mit insgesamt 294 Schlägen auf dem 24. Platz.

Diesjähriger Sieger wurde überraschend Danny Willett. Der Engländer setzte sich im Augusta National Golf Club vor seinem Landsmann Lee Westwood und dem amerikanischen Titelverteidiger Jordan Spieth durch.

Willett spielte auf dem Par-72-Kurs eine 67er Schlussrunde und gewann sein erstes Major-Turnier mit drei Schlägen Vorsprung. Der 28-Jährige ist der erste Engländer seit Nick Faldo 1996, der beim ersten Major des Jahres triumphieren konnte. Spieth, der seit der Auftaktrunde geführt hatte, verspielte alle Siegchancen, als er auf dem Par-3-Loch der zwölften Bahn sieben Schläge benötigte.

Write a Comment

view all comments

Only registered users can comment.