Alan Ferguson – Die Bestbesetzung für den St. Georges Park

Leitender Platzwart im St. Georges Park für den englischen Fußballverband ist seit August 2011 Alan Ferguson. Die Anlage bildet die hoch moderne Basis für das Training englischer Profifußballmannschaften. Es ist der hohe Anspruch an sich selber sowie sein besonderes Gespür für das Detail was Alan quasi zur Bestbesetzung für den St. Georges Park macht. Neuerdings zeichnet er zusätzlich verantwortlich für die Pflege des Wembley Stadions in London. In diesem Interview erläutert Alan aus der Sicht des verantwortlichen Platzwartes, wie sich die Dinge entwickelt haben, seitdem er die Stelle angetreten hat und wie die Pläne des englischen Fußballverbandes für die Zukunft aussehen.

Alan, welche Einrichtungen betreuen Sie konkret?

Der St. Georges Park verfügt über 4 Naturrasenplätze und 5 Kunstrasenplätze. Außerdem gibt es Hybridrasenplätze, hier im Einzelnen nachfolgende Techniken: 2 x Desso GrassMaster, 2 SISGRASS und 2 x Fibersand. Englische Nationalteams haben in der Regel fünf Plätze für sich reserviert. Diese Plätze sind alle mit einer Rasenheizung, Flutlicht und einem Bewässerungssystem ausgestattet. Somit sind sie zu jeder Tages- und Nachtzeit bespielbar.

Was ist bisher in Sachen Investitionen im St. Georges Park angestoßen worden?

Wir haben bereits über 100 Millionen Euro ausgegeben, um die Anlage in den Zustand zu bringen, in dem sie heute ist. Gleichfalls haben wir einen der zwei Hybrid Plätze zu einem Desso Platz umgebaut. Diese Maßnahme war absolut notwendig. Zusätzlich hat der Vorstand zugestimmt, die anderen Plätze ebenfalls einer Renovation und Optimierung zu unterziehen. Wir planen, vier der fünf Naturrasenplätze mit der Fibersand-Technologie auszustatten und bei einem verbleibenden Hybridrasen das Desso System zu verbauen. Außerdem haben wir die bestehende Hotelanlage erweitert. Seither können wir für gastierende Teams mehr separate Essensbereiche und gleichzeitig für die Profi-Mannschaften mehr private Meeting-Räume zur Verfügung stellen. Wenn wir einige Mannschaften gleichzeitig zu Gast haben, benötigt jedes Team einen eigenen Bereich, um in der Gruppe diskret und in Ruhe arbeiten zu können. Im Endeffekt müssen in allen Bereichen auch zukünftig noch Erweiterungen umgesetzt werden, um den gewünschten Standard zu erreichen.

Welche Gäste dürfen Sie in der Regel hier begrüßen bzw. auf welche Art und Weise nutzen Ihre Besucher die Anlage? 

Unsere Stammgäste haben das Nutzungsverhalten um ein Vielfaches intensiviert, seit wir die Anlage eröffnet haben. Das betrifft natürlich alle Ligen im englischen Fußball. Aber auch Betriebsmannschaften und Freizeitmannschaften nutzen unsere Einrichtungen. Mittlerweile werden auch viele Benefizspiele auf der Anlage ausgetragen. Außerdem finden auch UEFA Jugendturniere im St. Georges Park satt. Während dieser Turniere können alle Teilnehmer auf dem Gelände untergebracht werden. Ich denke der Fußball ist im Moment generell in einer Umbruchphase.

Früher wurden Anlagen wie diese ausschließlich für Trainingszwecke genutzt. Aber aufgrund der veränderten Anforderungsprofile müssen heute auch Trainingsplätze mit kleinen Tribünen ausgestattet werden, um bis zu 500 Zuschauern Platz zu bieten. Zugleich sollten aufgrund von ständig wechselnden Wetterbedingungen überdachte Sitzplätze verfügbar sein.

Wie stark wird der St. Georges Park frequentiert?

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Luftaufnahme St. Georgs Park National Football Centre

Hier mal ein Beispiel für das übliche Nutzungsverhalten – letzten Sonntag wurden alle zwölf Plätze bespielt. Des Weiteren würde ich schätzen, dass ungefähr 60 Stunden pro Woche auf den Rasenplätzen gespielt wird. Zusätzlich circa 55 Stunden pro Woche auf jedem Hybridrasen. Es gibt natürlich immer wieder Zeiträume, in der die Nutzung der Flächen noch intensiver ist, speziell in Länderspielwochen. Wenn wir internationale Mannschaften bei uns zu Gast haben, kann sich die Nutzung eines Rasenplatzes auf bis zu 20 Stunden wöchentlich ausdehnen.

Was macht aus Ihrer Sicht den Unterschied zu normalen Nachwuchsleistungszentren aus?

Aus meiner Sicht bildet die Basis dieser Institution der kommerzielle Betrieb, d.h. die Vermietung von Plätzen. Das ist der riesige Unterschied. Ligavereine haben das nicht in diesem Umfang. Die Clubs nutzen die Plätze im kommerziellen Umfang höchstens am Ende der Saison. Wir nutzen unsere Plätze dafür 7 Tage die Woche.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag auf der Anlage aus?

Generell treffen wir uns um 7.30 Uhr morgens zu einer kurzen Mitarbeiter Besprechung. Ich möchte stets alle Mitarbeiter mit ins Boot nehmen, um sie für jegliche Entwicklungen und Entscheidungen zu sensibilisieren. Wir haben keine generelle Feierabendzeit. Solange Teams auf den Plätzen trainieren muss auch am Abend mindestens einer von uns anwesend sein.

Haben Sie generell genug Zeit um die gesamte Anlage in Stand zu halten?

Wenn ich ehrlich bin haben wir nicht so viel Zeit wie wir gerne hätten um unserer Arbeit als Platzwart in entsprechendem Umfang nachzugehen. Ich denke, einer der größten Herausforderungen ist es, mit dem alltäglichen Koordinieren der kommerziellen Veranstaltungen und der gleichzeitigen Arbeit für die Bedürfnisse professioneller Kunden umzugehen. Ich denke das gesamte Platzwart-Team verdient große Anerkennung im Hinblick auf die Art und Weise wie sie die Plätze in einem außergewöhnlich guten Zustand halten.

Arbeiten Sie eigentlich mit anderen Einrichtungen zusammen?

Wir versuchen ein Netzwerk mit einer Vielzahl von anderen Institutionen aufzubauen. Denn am Ende des Tages fokussieren wir uns alle auf die Versorgung von Spitzen-Sportlern. Es gibt eigentlich nichts Vergleichbares zum St. George´s Park. Wir haben hier ein klares Alleinstellungsmerkmal. Es gibt eine Vielzahl an Akademien und Trainingszentren. Aber keine von diesen Anlagen handhabt gleichzeitig so viele Veranstaltungen mit einem solchen wirtschaftlichem Interesse.

Ein letzter Kommentar?

Seit dem der St. Georges Park seine Pforten öffnete, hatten wir hier über 70 Profi-Teams zu Gast. Zusätzlich elf Nationalmannschaften von allen Kontinenten der Erde. Der englische Fußballverband nutzte die Einrichtung ebenfalls bereits mit allen Mannschaften. Alle Teams hatten hier bisher nichts auszusetzen und bescheinigten uns bei jedem Besuch eine herausragende Anlage. Dem englischen Fußballverband muss für alles, was er für diese Einrichtung getan hat, ein großes Lob ausgesprochen werden.

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